Rechtsformen sind die verschiedenen Organisationsstrukturen, die du für dein Unternehmen...
Die verschiedenen Rechtsformen erklärt











Kriterien für die Wahl der Rechtsform
Die Rechtsformwahl hängt von mehreren wichtigen Faktoren ab, die du kennen solltest. Willst du alleine gründen oder mit Partnern? Wie viel Startkapital kannst du aufbringen?
Besonders wichtig ist die Haftung - das bedeutet, wer für Schulden des Unternehmens aufkommen muss. Bei manchen Rechtsformen haftest du mit deinem ganzen Privatvermögen, bei anderen nur mit deiner Einlage.
Die Leitungsbefugnis regelt, wer das Unternehmen führen darf und wer Kontrolle hat. Auch die Erfolgsverteilung (Gewinne und Verluste) und die Steuerlast unterscheiden sich je nach Rechtsform erheblich.
Wichtig: Die Art der Haftung bestimmt dein persönliches Risiko als Unternehmer!

Haftung und Leitungsstrukturen verstehen
Unbeschränkte Haftung bedeutet: Du haftest mit deinem gesamten Vermögen - auch privat. Bei beschränkter Haftung ist dein Risiko auf einen bestimmten Betrag begrenzt.
Die solidarische Haftung ist besonders riskant: Gläubiger können sich jeden beliebigen Gesellschafter aussuchen und von ihm die kompletten Schulden fordern. Der muss dann schauen, wie er sich das Geld von den anderen zurückholt.
Bei der Leitungsbefugnis unterscheidest du zwischen Geschäftsführung (interne Leitung) und Vertretung nach außen. Gesellschafter ohne Leitungsrechte haben dafür meist Kontrollrechte wie Bucheinsicht.
Merke: Auch bei beschränkter Geschäftsführung bleibt die Haftung oft unbeschränkt!

Das Einzelunternehmen (e.U.)
Als Einzelunternehmer bist du der alleinige Chef - trägst aber auch alle Risiken. Die Gründung ist super einfach: Du brauchst nur eine Gewerbeberechtigung und kannst sofort loslegen.
Du haftest persönlich unbeschränkt mit deinem ganzen Vermögen. Dafür gehören dir auch alle Gewinne alleine, und niemand redet dir in deine Entscheidungen rein.
Ab einem Jahresumsatz von 1 Million Euro oder 700.000 Euro in zwei aufeinanderfolgenden Jahren musst du dich als "e.U." ins Firmenbuch eintragen lassen. Dann bist du auch zur doppelten Buchführung verpflichtet.
Das Einzelunternehmen ist die häufigste Rechtsform in Österreich und perfekt für kleine Betriebe. Der größte Nachteil: Bei Krankheit oder Tod des Unternehmers ist das ganze Unternehmen gefährdet.
Tipp: Ideal für den schnellen Start, aber überlege dir das Haftungsrisiko gut!

Offene Gesellschaft (OG)
Die OG brauchst du, wenn mindestens zwei Personen gemeinsam ein Unternehmen führen wollen. Alle Gesellschafter haben die gleichen Rechte und Pflichten - und haften unbeschränkt, unmittelbar und solidarisch.
Ein Gesellschaftsvertrag regelt eure Rechte und Pflichten. Der kann sogar mündlich geschlossen werden, aber schriftlich ist definitiv klüger. Kein Mindestkapital nötig - ihr könnt Geld, Sachgüter oder eure Arbeitskraft einbringen.
Das Wettbewerbsverbot bedeutet: Du darfst ohne Zustimmung der anderen nicht im gleichen Geschäftszweig tätig werden. Nach dem Ausscheiden haftest du noch fünf Jahre lang für alte Schulden mit.
Die OG entsteht erst mit der Eintragung ins Firmenbuch und eignet sich besonders für Familien- und kleine Unternehmen. Vorteil: erweiterte Finanzierung durch mehrere Partner. Nachteil: das hohe Haftungsrisiko aller Beteiligten.
Achtung: Alle haften für alles - wähle deine Partner sehr sorgfältig aus!

Kommanditgesellschaft (KG)
Die KG ist perfekt, wenn sich jemand mit Fachwissen (Komplementär) und jemand mit Geld (Kommanditist) zusammentun wollen. Mindestens ein Vollhafter führt das Geschäft, mindestens ein Teilhafter bringt Kapital ein.
Komplementäre haften wie bei der OG unbeschränkt, leiten aber auch das Unternehmen. Kommanditisten haften nur bis zu ihrer im Firmenbuch eingetragenen Summe - dürfen dafür aber nicht mitbestimmen.
Die Gewinnverteilung hängt von drei Faktoren ab: Haftungsausmaß, eingebrachtes Kapital und persönliche Mitarbeit. Kommanditisten haben meist nur ein Kontrollrecht, aber kein Mitspracherecht bei der Geschäftsführung.
Das Wettbewerbsverbot gilt nur für Komplementäre - Kommanditisten dürfen parallel in anderen Unternehmen tätig sein. Die KG ist ideal, wenn sich "Macher" und "Geldgeber" zusammenschließen wollen.
Praktisch: Kombination aus Fachwissen und Kapital - aber nur der Komplementär bestimmt!

Stille Gesellschaft und GesbR
Bei der Stillen Gesellschaft beteiligst du dich finanziell an einem Unternehmen, bleibst aber völlig unsichtbar. Du haftest nur mit deiner Einlage, hast aber auch keine Mitsprache bei der Geschäftsführung.
Der Stille Gesellschafter bringt Kapital, bekommt dafür Gewinnbeteiligung - Verluste können vertraglich ausgeschlossen werden. Perfekt für Investoren, die sich nicht um das operative Geschäft kümmern wollen.
Die GesbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) ist die einfachste Form der Zusammenarbeit. Mehrere Partner wickeln gemeinsam ein Projekt ab - danach löst sich die Gesellschaft wieder auf.
Alle GesbR-Gesellschafter haften unbeschränkt und solidarisch, aber es gibt kein Mindestkapital und keine Eintragung ins Firmenbuch. Typisch für Arbeitsgemeinschaften oder Vorgründergesellschaften.
Flexibel: GesbR für Projekte, Stille Gesellschaft für reine Kapitalanlage!

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Die GmbH ist eine eigenständige "Person" vor dem Gesetz - sie kann klagen, verklagt werden und Verträge abschließen. Du haftest nur mit deiner Stammeinlage, nicht mit deinem Privatvermögen.
Das Mindeststammkapital beträgt 35.000 Euro, bei Neugründungen reichen 10.000 Euro (Gründungsprivileg). Die Hälfte muss sofort bar eingezahlt werden. Deine Mindeststammeinlage: nur 70 Euro.
Die Generalversammlung der Gesellschafter wählt den Geschäftsführer - der muss nicht mal Gesellschafter sein. Bei größeren GmbHs ist zusätzlich ein Aufsichtsrat als Kontrollorgan vorgeschrieben.
Steuerlich zahlst du als GmbH Körperschaftsteuer (25%), für ausbezahlte Gewinne Kapitalertragsteuer (27,5%). Bei hohen Gewinnen kann das günstiger sein als die Einkommensteuer von bis zu 55%.
Beliebt: Zweithäufigste Rechtsform in Österreich - beschränkte Haftung ist der große Vorteil!

Die Aktiengesellschaft (AG)
Die AG braucht mindestens 70.000 Euro Grundkapital, das in Aktien aufgeteilt wird. Jede Aktie hat mindestens einen Nennwert von 1 Euro und gibt dir Stimmrecht in der Hauptversammlung.
Die Hauptversammlung wählt den Aufsichtsrat (3-20 Mitglieder), dieser bestellt den Vorstand für maximal 5 Jahre. Der Vorstand führt das Unternehmen und muss regelmäßig an den Aufsichtsrat berichten.
Als Aktionär hast du vier wichtige Rechte: Dividende am Gewinn, Stimmrecht, Bezugsrecht bei neuen Aktien und Anteil am Liquidationserlös bei Auflösung der AG.
5% des Jahresgewinns müssen in die gesetzliche Rücklage, bis diese 10% des Grundkapitals erreicht. Der Rest kann als Dividende ausgeschüttet werden. Aktionäre zahlen dafür 27,5% Kapitalertragsteuer.
Für Große: AG eignet sich für kapitalintensive Unternehmen mit vielen anonymen Investoren!

Vergleich und Entscheidungshilfe
Personengesellschaften (OG, KG, GesbR) bedeuten meist unbeschränkte Haftung, aber einfache Gründung und keine Mindestkapitalanforderungen. Die Gesellschafter zahlen Einkommensteuer auf ihre Gewinnanteile.
Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) bieten beschränkte Haftung, brauchen aber Mindestkapital und haben höhere Gründungskosten. Sie zahlen Körperschaftsteuer, Gesellschafter zusätzlich Kapitalertragsteuer auf Ausschüttungen.
Die Europäische Gesellschaft (SE) ist eine spezielle AG-Form für grenzüberschreitende Geschäfte in der EU. Sie braucht ein "europäisches Element" - mindestens zwei beteiligte EU-Länder.
Bei der Wahl solltest du ehrlich einschätzen: Wie risikobereit bist du? Brauchst du Partner oder Investoren? Wie viel Kapital steht zur Verfügung? Planst du internationale Geschäfte?
Entscheidungshilfe: Start klein mit Einzelunternehmen, wachse zur GmbH, expandiere als AG!

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