Geodynamische Prozesse sind die natürlichen Bewegungen in der Erde, die...
Geodynamische Prozesse und der Kreislauf der Erde









Erdaufbau und Kontinentaldrift
Die Erde besteht aus verschiedenen Schalen wie eine Zwiebel. Die äußere Erdkruste ist nur 5-60 km dick und schwimmt quasi auf dem heißen Erdmantel. Darunter liegt der Erdkern aus flüssigem und festem Eisen-Nickel.
Alfred Wegener entdeckte schon 1909, dass die Kontinente wandern. Seine Kontinentaldrift-Theorie bewies er durch passende Küstenformen (Afrika und Südamerika), gleiche Fossilien auf verschiedenen Kontinenten und zusammengehörende Gebirgszüge.
Der Superkontinent Pangäa zerbrach vor 250 Millionen Jahren und die Teile drifteten auseinander. Das Prinzip der Isostasie sorgt dafür, dass sich die Erdkruste wie ein Boot im Wasser ausgleicht – wird sie entlastet, steigt sie auf.
Merktipp: Stell dir vor, die Erdkruste schwimmt wie Eisberge auf dem heißen, zähflüssigen Mantel!

Plattentektonik verstehen
Die Lithosphäre besteht aus großen und kleinen Platten, die auf der weichen Asthenosphäre schwimmen und sich in verschiedene Richtungen bewegen. Diese Plattentektonik erklärt, wie sich unser Planet ständig verändert.
An konvergierenden Plattengrenzen stoßen Platten aufeinander. Dabei entsteht eine Subduktionszone – die schwerere ozeanische Platte taucht unter die leichtere kontinentale Platte ab. An divergierenden Plattengrenzen driften Platten auseinander und neue Erdkruste entsteht durch aufsteigendes Magma.
In Riftzonen wie dem Mittelatlantischen Rücken wächst der Meeresboden ständig. Dieser Prozess läuft seit Millionen Jahren ab und formt kontinuierlich neue Ozeane und Kontinente.
Wichtig: Alte Erdkruste verschwindet in Subduktionszonen, neue entsteht an den Ozeanrücken – ein perfekter Kreislauf!

Erdbeben, Vulkane und ihre Auswirkungen
Vulkanismus bringt sowohl Gefahren als auch Vorteile. Negative Folgen sind Ascheauswürfe, Lavaströme und Erdbeben. Positive Aspekte umfassen fruchtbare Böden durch Vulkanasche, geothermische Energie und wertvolle Rohstoffe wie Schwefel.
Der Wilson-Zyklus beschreibt, wie Kontinente und Ozeane in 200-250 Millionen Jahren entstehen und vergehen. Er beginnt mit aufsteigendem Magma, führt über Grabenbildung zur Meeresentstehung und endet mit der Kollision der Kontinente.
Beispiele für die verschiedenen Stadien findest du überall: Der Oberrheingraben zeigt das Grabenbruchstadium, das Rote Meer das Meeresstadium und der Atlantik das Ozeanstadium. Das Mittelmeer befindet sich im Restmeerstadium.
Faszinierend: Island nutzt Vulkanwärme zum Heizen ganzer Städte – aus Gefahr wird Nutzen!

Gebirgsbildung durch Plattenkollision
Orogenese (Gebirgsbildung) entsteht durch drei verschiedene Kollisionstypen. Der Inselbogentyp bildet Vulkaninseln wie Japan, wenn ozeanische Platten aufeinandertreffen. Beim Andinen Typ kollidiert eine ozeanische mit einer kontinentalen Platte und schafft Gebirge wie die Anden.
Am spektakulärsten ist der Alpine Typ: Zwei kontinentale Platten krachen zusammen und türmen Faltengebirge und Deckengebirge auf. Faltengebirge entstehen durch Faltung ohne Abreißen, Deckengebirge durch Überschiebung abgerissener Gesteinspakete.
Die Subduktion spielt bei allen Typen eine wichtige Rolle. Schwere ozeanische Kruste taucht ab, schmilzt auf und das entstehende Magma steigt als Vulkan wieder auf. Bei kontinentalen Kollisionen fehlt das Gegengewicht und die Lithosphäre steigt durch Isostasie auf.
Eselsbrücke: Falten = biegen ohne brechen, Decken = übereinander stapeln nach dem Bruch!

Himalaya und Bruchschollentektonik
Die Entstehung des Himalayas ist ein Paradebeispiel für alpine Gebirgsbildung. Vor 50 Millionen Jahren kollidierte die indisch-australische Platte mit der eurasischen Platte. Indien schob sich 2.500 km in Asien hinein und türmte dabei das höchste Gebirge der Welt auf.
Bruchschollentektonik entsteht anders als Faltengebirge. Alte, bereits eingerumpfte Gebirge zerbrechen durch neue tektonische Kräfte in Bruchschollen. Diese werden gehoben, gesenkt oder gekippt und bilden Bruchschollengebirge.
Typische Formen sind Horst (gehobene Scholle), Graben (abgesenkte Scholle) und Pultscholle (gekippte Scholle). Das Erzgebirge, der Harz und das Rheinische Schiefergebirge sind solche Bruchschollengebirge – "alt gefaltet, jung gehoben".
Merksatz: Der Himalaya wächst heute noch 4 cm pro Jahr – die Kollision dauert an!

Das Erzgebirge als Beispiel
Die Entstehung des Erzgebirges zeigt perfekt den Übergang von Faltung zu Bruchschollentektonik. Zuerst entstand durch variskische Gebirgsbildung vor 340 Millionen Jahren ein Faltengebirge. Dieses wurde über Jahrmillionen zu einer flachen Landschaft abgetragen (Einrumpfung).
Im Tertiär (vor 65-2 Millionen Jahren) brach die alte Landschaft auf und die Erzgebirgspultscholle wurde nach Süden gekippt herausgehoben. Gleichzeitig entstanden Basaltvulkane und Thermalquellen, während sich nördlich Braunkohle bildete.
Heute wird das gehobene Erzgebirge intensiv von nach Norden fließenden Flüssen zertalt. Die Steilstufe nach Süden (Böhmische Seite) wird stark zerschnitten, während im Norden sanfte Hochflächen entstehen.
Zeitreise: Vom hohen Faltengebirge über flache Rumpflandschaft zum heutigen Mittelgebirge!

Der Gesteinskreislauf
Der Gesteinskreislauf zeigt, wie sich Gesteine ständig ineinander umwandeln. Magmatite entstehen aus erstarrtem Magma, Sedimentite aus abgelagertem Material und Metamorphite durch Umwandlung bestehender Gesteine unter Druck und Hitze.
Verwitterung und Erosion tragen Gesteine ab, der Transport bringt das Material an neue Orte und die Sedimentation lagert es als Sedimente ab. Durch Diagenese verfestigen sich lose Ablagerungen zu Sedimentgesteinen.
Metamorphose verwandelt alle Gesteinsarten durch hohen Druck (Regionalmetamorphose) oder Hitze (Kontaktmetamorphose). Bei extremen Bedingungen schmilzt Gestein wieder auf (Anatexis) und der Kreislauf beginnt von neuem.
Kreislauf-Prinzip: Kein Gestein ist für ewig – alles wandelt sich ständig um!

Wichtige Gesteinsarten erkennen
Sandstein erkennst du an den sichtbaren Sandkörnern und der meist gelblichen Farbe. Als Sedimentgestein kann es Fossilien enthalten und verwittert relativ leicht. Kalkstein ist oft weiß bis grau, kann porös sein und löst sich in Säure auf.
Basalt ist ein dunkles Vulkangestein mit kleinen Kristallen, da es schnell an der Oberfläche erstarrte. Granit als Tiefengestein zeigt große Kristalle, weil es langsam in der Tiefe abkühlte. Beide sind sehr hart und wetterbeständig.
Gneis entsteht durch Metamorphose aus Granit oder anderen Gesteinen. Die charakteristische Schieferung mit hellen und dunklen Bändern verrät die Umwandlung unter extremem Druck. Der Name stammt aus dem Erzgebirgischen Bergbau.
Erkennungstipp: Große Kristalle = langsame Abkühlung in der Tiefe, kleine Kristalle = schnelle Abkühlung an der Oberfläche!
Wir dachten schon, du fragst nie...
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