Der Feldzugsbericht als koloniale Propaganda
Der Jugendroman "Peter Moors Fahrt nach Südwest" von Gustav Frenssen erzählt die Geschichte eines jungen Handwerksgesellen, der sich freiwillig für den Einsatz in der deutschen Kolonie Südwestafrika meldet. Der Roman erschien 1906, kurz nach dem brutalen Niederschlagen des Herero-Aufstands, und erreichte besonders in den 1930er Jahren hohe Auflagen.
Im Textauszug schildert der Protagonist, wie die deutschen Truppen die Herero in die wasserlose Omaheke-Steppe treiben. Frenssen stellt dieses Vorgehen als notwendig dar: "Da war es klar, daß dem stolzen Volke aller Mut und alle Hoffnung vergangen war, daß sie lieber den Tod in der Wüste wollten, als weiter mit uns kämpfen." Diese Darstellung verschleiert die Realität der gezielten Vernichtungsstrategie der deutschen Kolonialherren.
Die ideologische Rechtfertigung des Völkermords wird durch die Worte des Oberleutnants deutlich: "Diese Schwarzen haben vor Gott und Menschen den Tod verdient, nicht weil sie die zweihundert Farmer ermordet haben und gegen uns aufgestanden sind, sondern weil sie keine Häuser gebaut und keine Brunnen gegraben haben." Hier zeigt sich der damals verbreitete sozialdarwinistische Gedanke, dass vermeintlich "höherentwickelte" Völker ein Recht auf Eroberung hätten.
Historischer Kontext: Der Roman erschien zu einer Zeit, als der Völkermord an den Herero noch nicht abgeschlossen war. Tausende Überlebende befanden sich noch in Konzentrationslagern und wurden zur Zwangsarbeit herangezogen.








































