Musik im Mittelalter - Gregorianischer Choral und Notation
Stell dir vor, du sitst in einem mittelalterlichen Kloster und hörst mystische Gesänge - das ist der gregorianische Choral, die wichtigste Musikform des Mittelalters. Diese Musik entstand ab dem 4. Jahrhundert in Klöstern und war komplett einstimmig, lateinisch und ohne jede instrumentale Begleitung.
Der Gesang funktionierte auf zwei Arten: responsorisch bedeutete, dass ein Solist (Kantor) vorgesang und der Chor antwortete. Antiphonisch hieß, dass sich zwei Halbchöre abwechselten - wie ein musikalischer Dialog.
Die Psalmodie verwendete Bibeltexte, besonders Psalmen. Dabei gab es zwei Stile: syllabisch eineSilbe=einTon,TextstehtimVordergrund und melismatisch beim Jubilus eineSilbe=vieleTo¨ne,Gefu¨hlestehenimVordergrund.
Merktipp: Der Melodieverlauf folgt immer dem gleichen Schema: Initium (steigender Anfang) → Rezitationston (Hauptton) → Mediatio (Melodie weicht aus) → Terminatio (Schluss) → Finalis letzterTon=Anfangston.
Die Entwicklung der Notation war revolutionär: Aus der Neumenschrift (ab 800 n. Chr.) - einfachen Dirigentenbewegungen - entwickelte sich über Bezugslinien (900 n. Chr.) die Quadratnotation mit 4-Linien-System (1150 n. Chr. durch Guido von Arezzo) bis hin zur Mensuralnotation (13. Jh.) mit Rhythmus und mehreren Stimmen.