Die Endosymbiontentheorie - Wenn Bakterien zu Mitbewohnern werden
Stell dir vor, ein großes Bakterium "frisst" ein kleineres - aber anstatt es zu verdauen, lassen beide es sich als WG gut gehen! Genau das passierte vor Millionen von Jahren und führte zur Entstehung unserer Mitochondrien und Chloroplasten.
Die Endosymbiontentheorie beschreibt, wie zwei ursprünglich getrennte Prokaryoten (Bakterien ohne Zellkern) eine dauerhafte Wohngemeinschaft eingingen. Das größere Archaeabakterium nutzte Wasserstoff als Energiequelle, während das kleinere Alphaproteobakterium Wasserstoff produzierte - eine perfekte Geschäftsbeziehung!
Durch steigendes Nahrungsangebot wurde die größere Zelle immer größer und entwickelte viele Zellkammern (Kompartimentierung). Als sie das kleinere Bakterium aufnahm, bekam dieses eine Doppelmembran - seine eigene plus die neue vom "Wirt".
Merke dir: Der Begriff "Endosymbiose" bedeutet "Zusammenleben im Inneren" - "endo" = innen, "Symbiose" = Zusammenleben zum gegenseitigen Nutzen.
Über Millionen von Jahren verlor das aufgenommene Bakterium seine Eigenständigkeit. Gene wurden ausgetauscht, manche gingen verloren, andere wanderten ins Erbgut der Wirtszelle. So entstand aus dem kleinen Bakterium das Mitochondrium - unser zelluläres Kraftwerk, das ATP produziert. Bei Pflanzen passierte dasselbe mit Cyanobakterien, die zu Chloroplasten wurden.
Die Beweise sind überzeugend: Mitochondrien und Chloroplasten haben noch heute eine Doppelmembran, eigenes ringförmiges Erbgut wie Bakterien und können sich selbst vermehren. Im Zellkern jeder eukaryotischen Zelle finden wir Gene, die ursprünglich von Prokaryoten stammen - der lebende Beweis für diese geniale evolutionäre WG!