Zellbiologie und Genetik sind die Grundlagen des Lebens - und...
Biologie Lernzettel Genetik und DNA Klasse 12 Q1











Zelltypen im Vergleich
Tier- und Pflanzenzellen haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch entscheidende Unterschiede. Beide besitzen einen Zellkern mit DNA, Mitochondrien für die Energieproduktion und das endoplasmatische Retikulum für den Transport.
Der wichtigste Unterschied: Pflanzenzellen haben eine Zellwand als Schutz, Chloroplasten für die Photosynthese und große Vakuolen für die Wasserspeicherung. Tierzellen besitzen stattdessen Lysosomen zum Abbauen von Stoffen und ein stark ausgeprägtes Cytoskelett für die Stabilität.
Merke dir: Pflanzenzellen ernähren sich autotroph (stellen ihre Nahrung selbst her), während Tierzellen heterotroph leben (nehmen Nahrung auf). Diese Unterschiede bestimmen, wie die Organismen überleben.
Tipp: Stelle dir Pflanzenzellen wie kleine Fabriken mit eigener Stromproduktion vor, während Tierzellen eher mobile Einheiten sind, die Energie von außen beziehen.

Chromosomen und Vererbung
Deine gesamte Erbinformation steckt in 46 Chromosomen - das sind 23 Paare in jeder Körperzelle. Jedes Chromosom besteht aus zwei Chromatiden, die am Centromer zusammengehalten werden.
Die ersten 22 Chromosomenpaare sind Autosomen - hier hast du jeweils ein Chromosom von Mama und eins von Papa. Das 23. Paar entscheidet über dein Geschlecht: XX = weiblich, XY = männlich.
Die berühmten Experimente von Griffith und Avery bewiesen, dass DNA die Erbsubstanz ist. Griffith zeigte durch seine Bakterienversuche, dass genetische Information übertragen werden kann - Avery bewies dann, dass DNA dafür verantwortlich ist.
Merkhilfe: DNA ist wie eine Bibliothek mit 46 Bänden (Chromosomen), in der alle Baupläne für deinen Körper stehen!

DNA-Aufbau verstehen
Die DNA ist ein kettenförmiges Makromolekül aus vielen Nukleotiden. Jedes Nukleotid besteht aus Desoxyribose (Zucker), Phosphat und einer der vier Basen: Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C).
Das Geniale: DNA besteht aus zwei komplementären Einzelsträngen, die über Wasserstoffbrückenbindungen verbunden sind. A paart sich immer mit T (2 H-Brücken), G immer mit C (3 H-Brücken). Die Stränge verlaufen antiparallel - einer von 5' nach 3', der andere von 3' nach 5'.
Diese Basenpaarung ist der Schlüssel für alles: Durch die Reihenfolge der Basen wird der genetische Code festgelegt, der bestimmt, welche Proteine dein Körper herstellt.
Eselsbrücke: Denk an die DNA wie an eine Strickleiter - die Sprossen sind die Basenpaare, die Seile sind Zucker und Phosphat!

DNA vs. RNA und Schmelzverhalten
RNA unterscheidet sich von DNA in drei wichtigen Punkten: Sie hat Ribose statt Desoxyribose als Zucker, Uracil (U) statt Thymin und besteht nur aus einem Einzelstrang.
Bei der Denaturierung (Erhitzen) spalten sich die Wasserstoffbrückenbindungen der DNA - die Doppelhelix "schmilzt" zu Einzelsträngen. Das kannst du durch UV-Absorption messen. Beim langsamen Abkühlen erfolgt die Renaturierung - die Stränge finden wieder zusammen.
Die Schmelztemperatur hängt vom GC-Gehalt ab: Mehr GC-Paare (3 H-Brücken) bedeuten höhere Schmelztemperatur als AT-Paare (2 H-Brücken). Das nutzt man in der Gentechnik gezielt aus.
Praktischer Tipp: Dieses Schmelz-Prinzip ist die Grundlage für PCR und viele andere Labormethoden, die du später kennenlernen wirst!

DNA-Replikation Schritt für Schritt
Die DNA-Replikation passiert vor jeder Zellteilung in der S-Phase und läuft semikonservativ ab - jeder neue Doppelstrang enthält einen alten und einen neuen Einzelstrang.
Der Prozess startet mit der Topoisomerase, die die DNA entspannt, gefolgt von der Helicase, die die Doppelhelix auftrennt. Single-Strand-Binding-Proteine verhindern das Wiederzusammenfinden der Stränge.
Die DNA-Polymerase kann nur von 5' zu 3' arbeiten. Deshalb wird der Leitstrang kontinuierlich synthetisiert, während der Folgestrang in Okazaki-Fragmenten stückweise aufgebaut wird. Die Ligase fügt diese Fragmente zusammen.
Wichtig für Klausuren: Die DNA-Polymerase braucht immer einen Primer (RNA-Stück) als Startpunkt - sie kann nicht bei Null anfangen!

PCR - DNA im Reagenzglas vervielfältigen
Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) kopiert DNA-Abschnitte künstlich millionenfach. Du brauchst: DNA-Vorlage, Primer, Nukleotide und die hitzebeständige Taq-Polymerase.
Der Thermocycler durchläuft drei Temperaturstufen: Bei 95°C erfolgt die Denaturierung (DNA-Trennung), bei 60°C die Hybridisierung (Primer-Bindung) und bei 70°C die Polymerisierung (DNA-Synthese).
Nach 30-50 Zyklen hast du aus einem DNA-Molekül millionen identische Kopien erzeugt. Die Primer bestimmen dabei, welcher DNA-Bereich vervielfältigt wird - sie grenzen den gewünschten Abschnitt ein.
Alltags-Relevanz: PCR wird für Corona-Tests, Vaterschaftstests und in der Kriminalistik verwendet - eine der wichtigsten Techniken der Moderne!

Gelelektrophorese - DNA sichtbar machen
Die Gelelektrophorese trennt DNA-Fragmente nach ihrer Größe. Nukleinsäuren sind wegen ihrer Phosphatgruppen negativ geladen und wandern zur Anode (Pluspol).
Das Gel wirkt wie ein Sieb: Kleine DNA-Fragmente bewegen sich schneller durch die Poren als große. So entstehen charakteristische DNA-Banden in verschiedenen Abständen zur Startlinie.
Mit Farbstoffen wird die DNA sichtbar gemacht. Je weiter eine Bande gewandert ist, desto kleiner ist das DNA-Fragment. Diese Methode ist essentiell für die Genanalyse.
Praktische Anwendung: Gelelektrophorese wird in jedem Genetiklabor verwendet - von der Diagnostik bis zur Forensik!

Transkription - Von DNA zu RNA
Bei der Transkription wird ein DNA-Abschnitt in mRNA umgeschrieben. Die RNA-Polymerase liest den codogenen Strang von 3' zu 5' ab und baut die mRNA von 5' zu 3' auf.
Promotoren zeigen der RNA-Polymerase, wo sie starten soll. Die mRNA unterscheidet sich von DNA durch Ribose als Zucker, Uracil statt Thymin und besteht nur aus einem Einzelstrang.
Die fertige mRNA ist viel kürzer als DNA, da sie nur die Information eines Gens trägt. Sie fungiert als Botenmolekül, das die genetische Information vom Zellkern zu den Ribosomen transportiert.
Merkhilfe: Transkription = "Abschreiben" - wie wenn du Notizen aus einem Lehrbuch abschreibst, um sie zur Prüfung mitzunehmen!

Der genetische Code
Der genetische Code übersetzt mRNA in Aminosäuren. Da es nur 4 Basen, aber 20 Aminosäuren gibt, bilden jeweils drei Nukleotide ein Codon (Basentriplett) für eine Aminosäure.
Der Code ist redundant (mehrere Codons für eine Aminosäure) und universell (bei fast allen Lebewesen gleich). AUG ist das Startcodon, UAG, UAA und UGA sind Stopcodons.
Ein Basentriplett ist die Mindestgröße, weil 4² = 16 zu wenig wäre für 20 Aminosäuren, aber 4³ = 64 reicht locker aus. Diese 64 möglichen Codons codieren für 20 Aminosäuren plus Start- und Stoppsignale.
Klausur-Tipp: Lerne das Startcodon AUG auswendig - es kommt in jeder Genetik-Klausur vor!

Translation - Proteinherstellung
Bei der Translation wird mRNA in Polypeptide übersetzt. Das passiert an den Ribosomen, die sich an das Startcodon der mRNA anlagern.
tRNA-Moleküle bringen die passenden Aminosäuren herbei. Jede tRNA hat ein Anticodon, das komplementär zum mRNA-Codon ist. Das Ribosom hat zwei Bindungsstellen: die P-Stelle und die A-Stelle.
Der Prozess läuft schrittweise ab: tRNA bindet, Aminosäuren werden verknüpft, leere tRNA wird freigegeben, Ribosom wandert weiter. So entsteht Aminosäure für Aminosäure eine Polypeptidkette.
Visualisierung: Stelle dir das Ribosom wie eine Nähmaschine vor, die Aminosäuren zu einem Proteinfaden zusammennäht!
Wir dachten schon, du fragst nie...
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