Chemische Synapsen sind die Schaltstellen deines Nervensystems - hier springt... Mehr anzeigen
Neurobiologie: Synapsen, Nervengifte und Lernen






Chemische Synapsen - So funktioniert die Signalübertragung
Stell dir vor, zwei Neuronen wollen miteinander "reden", aber zwischen ihnen liegt ein winziger Spalt - der synaptische Spalt. Das elektrische Signal kann nicht einfach rüberspringen, deshalb braucht es chemische Botenstoffe: die Neurotransmitter.
Der Ablauf ist wie eine perfekt choreografierte Kette: Das Aktionspotenzial erreicht die präsynaptische Membran und öffnet Calciumkanäle. Die einströmenden Calciumionen lösen aus, dass Vesikel voller Acetylcholin mit der Membran verschmelzen und ihren Inhalt in den Spalt ausschütten.
Acetylcholin schwimmt dann zur postsynaptischen Membran und dockt an spezielle Rezeptoren an. Das öffnet Natriumkanäle, Natriumionen strömen ein und - zack! - die Membran depolarisiert sich. Wenn das Signal stark genug ist, entsteht ein neues Aktionspotenzial.
Wichtig: Das Enzym Acetylcholinesterase räumt danach auf und spaltet den Neurotransmitter wieder auf. Das Cholin wird recycelt und kann für die nächste Signalübertragung wiederverwendet werden.

Erregende und hemmende Synapsen - Gas geben oder bremsen
Nicht jede Synapse feuert das nachgeschaltete Neuron an - manche bremsen es auch aus! Bei erregenden Synapsen entstehen EPSPs (exitatorische postsynaptische Potenziale), die durch einströmende Natriumionen eine Depolarisation auslösen. Typische Neurotransmitter sind hier Acetylcholin oder Glutamat.
Hemmende Synapsen machen das Gegenteil: Sie erzeugen IPSPs (inhibitorische postsynaptische Potenziale) durch einströmende Chloridionen, was zu einer Hyperpolarisation führt. Die Neurotransmitter GABA oder Glycin sorgen dafür, dass ein Aktionspotenzial weniger wahrscheinlich wird.
Ob eine Synapse erregend oder hemmend wirkt, hängt nicht nur vom Neurotransmitter ab, sondern hauptsächlich von den Ionenkanälen in der postsynaptischen Membran. Diese bestimmen, welche Ionen einströmen können.
Merktipp: EPSP = Erregung durch Na⁺-Einstrom, IPSP = Hemmung durch Cl⁻-Einstrom!

Verschaltungsmöglichkeiten - Wenn Signale sich treffen
Einzelne Synapsen sind meist zu schwach, um ein Aktionspotenzial auszulösen. Deshalb gibt es clevere Summationsmechanismen: Bei der zeitlichen Summation treffen mehrere Signale derselben Synapse schnell hintereinander ein und addieren sich.
Die räumliche Summation funktioniert anders - hier feuern mehrere verschiedene Synapsen gleichzeitig und ihre Signale summieren sich am Axonhügel. Erst wenn die Summe den Schwellenwert überschreitet, entsteht ein neues Aktionspotenzial.
Richtig spannend wird die Verrechnung: Treffen EPSPs und IPSPs gleichzeitig ein, werden sie miteinander verrechnet. Die hemmenden Signale können die erregenden abschwächen oder sogar komplett blockieren.
Fakt: Dein Gehirn führt permanent Millionen solcher Berechnungen durch - das macht komplexe Denkprozesse erst möglich!

Nervengifte - Wenn Synapsen sabotiert werden
Neurotoxine sind wie Saboteure, die an verschiedenen Stellen der Synapse angreifen können. An der Präsynapse wirkt zum Beispiel das Gift der Schwarzen Witwe: Es öffnet alle Calciumkanäle gleichzeitig, wodurch sämtliche Vesikel entleert werden und Muskelkrämpfe entstehen.
Botox macht das Gegenteil - es blockiert die Vesikelfusion komplett, sodass keine Neurotransmitter freigesetzt werden. Resultat: Muskellähmung. Im synaptischen Spalt greift E605 die Acetylcholinesterase an, wodurch der Neurotransmitter nicht abgebaut wird und dauerhaft wirkt.
An der Postsynapse sind die Rezeptoren das Ziel: Curare besetzt die Acetylcholin-Rezeptoren (kompetitive Hemmung) und verhindert so die Signalweiterleitung - die Muskeln erschlaffen bis zum Atemstillstand. Pfeilgiftfrosch-Gift dagegen hält Natriumkanäle dauerhaft offen, was zu unkontrollierbaren Muskelkrämpfen führt.
Wichtig: Die Symptome (Lähmung vs. Krämpfe) verraten dir oft, wo und wie das Gift angreift!

Lernen - Wenn Synapsen stärker werden
Beim Lernen passiert etwas Faszinierendes: Synaptische Verbindungen werden durch wiederholte Nutzung verstärkt. Dieser Prozess heißt Langzeitpotenzierung (LTP) und ist die biologische Grundlage des Lernens.
Der Mechanismus läuft über zwei Rezeptortypen ab: AMPA-Rezeptoren reagieren auf Glutamat und lassen Natriumionen einströmen. Bei hochfrequenten Reizen werden zusätzlich NMDA-Rezeptoren aktiviert, die normalerweise durch Magnesiumionen blockiert sind.
Calciumionen, die durch die NMDA-Rezeptoren einströmen, aktivieren Enzyme, die zwei wichtige Dinge bewirken: Die vorhandenen AMPA-Rezeptoren werden leitfähiger und neue Rezeptoren werden in die Membran eingebaut. Die Synapse wächst buchstäblich und wird empfindlicher für zukünftige Signale.
Coole Sache: Jedes Mal wenn du etwas lernst, veränderst du physisch die Struktur deines Gehirns!
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