Clemens Brentano: "Hörst du wie die Brunnen rauschen" (1811)
Stell dir vor, du könntest einfach wegfliegen und Sterne wie Blumen pflücken - genau diese romantische Fantasie vermittelt Brentanos Gedicht. Es beginnt mit zwei rhetorischen Fragen, die dich sofort in die ruhige Abendstimmung hineinziehen, wo Brunnen rauschen und Grillen zirpen.
Das Gedicht hat eine klare dreistrophige Struktur mit Kreuzreim (abab, cdcd, efef) und einem vierhebigen Trochäus, der dem Text einen sanften, wiegenden Rhythmus gibt. Die wechselnden weiblichen und männlichen Kadenzen verstärken diesen melodischen Effekt noch.
Der Sprecher lädt sein Gegenüber ein, in eine Traumwelt einzutauchen, wo Personifikationen wie der singende Mond und wiegende Wolken eine märchenhafte Atmosphäre schaffen. Besonders auffällig ist die biblische Seligpreisung "Selig, wer..." und "Selig, wen...", die dem Traum fast religiöse Bedeutung verleiht.
Merktipp: Die vielen Alliterationen ("Schlafe, träume", "Sterne...pflückt") und die Klimax zum Ende hin machen das Gedicht besonders eingängig und typisch romantisch - perfekt für Interpretationen in Klausuren!