Fünfter Aufzug - Marias Verklärung
Im Kerker von Fotheringhay vollzieht sich eine bemerkenswerte Wandlung. Maria empfängt die Hinrichtungsnachricht mit bewundernswerter Fassung und wird von allen als "Königin und Heldin" beschrieben. Ihre innere Ruhe steht im krassen Gegensatz zur Panik ihrer Umgebung.
Eine schockierende Enthüllung erschüttert die letzten Stunden: Margareta Kurl gesteht, dass ihr Mann eine Falschaussage gemacht hat und Maria unschuldig sterben wird. Das Todesurteil basiert also auf einer Lüge - ein bitterer Treppenwitz der Gerechtigkeit.
Melvil offenbart sich als geweihter Priester, um Maria die Sterbesakramente spenden zu können. In der Beichte gesteht Maria ihren Hass auf Elisabeth, beteuert aber ihre Unschuld bezüglich der Attentate. Sie nimmt das Todesurteil als Buße für ihre früheren Vergehen an - eine spirituelle Läuterung.
Marias Größe: Sie vergibt Elisabeth und wünscht ihr eine glückliche Regentschaft - die moralische Siegerin stirbt physisch, aber gewinnt menschlich.
Besonders demütigend ist ihre letzte Begegnung mit Leicester. Sie hält ihm sanft-ironisch sein Versagen vor Augen und gesteht ihm ihre Liebe - ein emotionaler Todesstoß für den Verräter, der zusammenbricht.
Elisabeth wartet unterdessen unruhig in London und versucht bereits, sich von der Verantwortung zu distanzieren. Als die Hinrichtung vollzogen ist, inszeniert sie ein perfides Schauspiel: Sie stellt Davison vor Gericht, verbannt Burleigh und spielt die Unwissende.
Das Drama endet mit Elisabeths totaler Isolation: Shrewsbury legt resigniert sein Amt nieder, Leicester flieht nach Frankreich. Elisabeth bleibt allein zurück - politisch siegreich, aber menschlich vernichtet.