Erster Aufzug - Marias verzweifelte Lage
Stell dir vor, du wärst eine gefangene Königin - genau das ist Maria Stuarts Situation im Schloss Fotheringhay. Ihr Wächter Sir Paulet durchsucht ihr Zimmer nach verdächtigen Schriften, während ihre treue Dienerin Hanna Kennedy verzweifelt ihre Unschuld beteuert.
Maria selbst zeigt erstaunliche Würde in dieser aussichtslosen Lage. Sie bittet Paulet höflich, einen Brief an Königin Elisabeth zu überbringen - sie hofft auf ein persönliches Gespräch zwischen Frauen statt vor männlichen Richtern. Außerdem möchte sie einen Priester für die Beichte und einen Notar für ihr Testament.
Das Gespräch mit ihrer Vertrauten Hanna Kennedy enthüllt Marias größte Schuld: Sie fühlt sich mitverantwortlich am Tod ihres Mannes Lord Darnley und hat dessen mutmaßlichen Mörder Bothwell geheiratet. Diese echte Schuld quält sie mehr als die falschen Anschuldigungen des englischen Gerichts.
Ein Hoffnungsschimmer erscheint mit Mortimer, Paulets Neffe. Er offenbart sich als heimlicher Verbündeter, der zum Katholizismus konvertiert ist und Maria befreien will. Doch Maria lehnt Gewalt ab und setzt stattdessen auf Lord Leicester.
Wichtig für die Klausur: Maria hat echte Schuld (Mitwisserschaft am Gattenmord), aber nicht die, für die sie angeklagt wird (Verschwörung gegen Elisabeth).
Die Situation eskaliert, als Lord Burleigh das Todesurteil überbringt. Maria führt eine brillante Verteidigung: Sie stellt die Zuständigkeit des Gerichts in Frage, kritisiert die fehlende Unabhängigkeit und bemängelt, dass ihr die Zeugen nicht gegenübergestellt wurden. Ihre Argumentation ist juristisch fundiert, aber politisch machtlos.






