Der Herr und seine Sicht auf den Menschen
Jetzt wird's richtig spannend - der Herr höchstpersönlich mischt sich ein und zeigt, dass er eine ganz andere Sicht auf die Menschen hat als Mephisto!
Für Gott ist Faust der Prüfstein seiner Schöpfung. Er sagt den berühmten Satz: "Es irrt der Mensch, solang er strebt" (V. 317). Das bedeutet: Menschen dürfen Fehler machen, solange sie nach etwas Höherem streben! Der Herr verwendet Gartenmetaphorik - das Leben blüht und die Zukunft ist fruchtbar.
Mephisto bekommt die Erlaubnis, Faust zu versuchen - aber das ist eigentlich gar keine echte Wette! Der Herr ist sich sicher, dass "ein guter Mensch in seinem dunklen Drange sich des rechten Weges wohl bewusst" ist (V. 327f.). Mephisto darf nur auf der Erde wirken, nicht darüber hinaus.
Die Ironie dabei: Mephisto denkt, er sei Gottes gleichwertiger Gegenspieler, aber in Wahrheit ist er nur ein Werkzeug der Schöpfung. Seine destruktive Kraft soll den Menschen sogar voranbringen, indem sie ihn herausfordert.
Klausur-Tipp: Der Ausgang des ganzen Dramas wird hier bereits vorweggenommen - Faust wird am Ende gerettet werden, weil das Streben nach dem Guten letztendlich stärker ist!