Vergleich der beiden Dramen
Faust I dreht sich um einen gelehrten Professor, der trotz all seines Wissens innerlich verzweifelt ist. Er will verstehen, "was die Welt im Innersten zusammenhält" - ein ziemlich philosophisches Problem also. Woyzeck hingegen kämpft mit ganz anderen Sorgen: Als Angehöriger der Unterschicht hat er praktisch keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.
Strukturell könnten die Werke unterschiedlicher nicht sein. Faust folgt dem klassischen Aufbau einer geschlossenen Tragödie: Verführung durch Mephisto, Versuchung, Eskalation und schließlich die Katastrophe. Woyzeck ist dagegen ein offenes Drama - eigentlich sogar ein Fragment ohne klare Struktur.
Beide Protagonisten werden manipuliert, aber auf verschiedene Weise. Faust lässt sich von Mephisto verführen, weil er nach ultimativer Erkenntnis strebt. Woyzeck wird vom Doktor, Hauptmann und anderen Oberschichtlern ausgenutzt - er hat praktisch keine Wahl.
Merktipp: Faust = Bildungsbürger mit Erkenntnisproblem, Woyzeck = Unterschicht mit Überlebensproblem