Gerechtigkeit ist ein komplexes Thema, das euch täglich begegnet -... Mehr anzeigen
Ethik Abitur: Recht und Gerechtigkeit einfach erklärt







Die 6 Kriterien der Verteilungsgerechtigkeit nach Perelmann
Verteilungsgerechtigkeit beschäftigt sich mit der Frage: Wer bekommt was und warum? Perelmann hat sechs verschiedene Ansätze entwickelt, die zeigen, wie unterschiedlich "gerecht" definiert werden kann.
"Jedem das Gleiche" bedeutet, dass alle Menschen identisch behandelt werden - wie beim Wahlrecht oder vor Gericht. Das funktioniert aber nicht immer: Rentner zahlen weniger Eintritt als Berufstätige, was ebenfalls gerecht ist.
"Jedem nach seinen Verdiensten" kennt ihr aus Religionen wie dem Christentum (Jüngsten Gericht) oder Buddhismus (Karma). Problem: Wer definiert, was ein "Verdienst" ist? Das bleibt oft unklar und subjektiv.
"Jedem nach seinen Werken" fokussiert nur auf das Ergebnis, nicht auf die Absicht. Ein Manager bekommt Bonus für gute Zahlen - egal wie er sie erreicht hat. "Jedem nach seinen Bedürfnissen" ist das sozialistische Prinzip: Wer Kinder hat oder krank ist, braucht mehr Unterstützung.
💡 Merkhilfe: Diese sechs Formeln schließen sich oft gegenseitig aus - deshalb ist Gerechtigkeit so kompliziert zu definieren!

Weitere Gerechtigkeitskriterien und Grundprinzipien
"Jedem nach seinem Rang" galt früher in Adelsgesellschaften und existiert heute noch beim Militär oder in Unternehmen. "Jedem nach dem Gesetz" macht Gerechtigkeit zur rechtlichen Frage - was legal ist, ist gerecht.
Das Problem: Millionen-Abfindungen für unfähige Manager wären dann "gerecht", weil vertraglich geregelt. Aristoteles fasste alle Formeln zusammen: "Jedem das Seine" - Gleiche gleich, Ungleiche ungleich behandeln.
Im Sportunterricht werden Jungen und Mädchen unterschiedlich bewertet, in Deutsch gleich - das ist gerecht, weil die Voraussetzungen unterschiedlich sind.
Positives Recht vs. Naturrecht
Positives Recht ist das vom Menschen gemachte Recht (wie unser Strafgesetzbuch). Es gilt nur solange der Staat existiert und kann geändert werden. Es schafft Legalität - formale Gesetzmäßigkeit.
Naturrecht dagegen ist vorstaatlich und ewig gültig. Es basiert auf höherer Moral und schafft Legitimität - moralische Rechtmäßigkeit. Beispiele sind die Menschenrechte im Grundgesetz.
💡 Wichtig: Positives Recht sagt "was erlaubt ist", Naturrecht sagt "was richtig ist" - manchmal widersprechen sie sich!

Rechtspositivismus vs. Naturrechtslehre
Rechtspositivismus trennt Recht und Moral strikt. Nach Thomas Hobbes gilt: "Autorität bestimmt das Gesetz, nicht Wahrheit." Nur staatlich gesetztes Recht zählt, weil es Rechtssicherheit garantiert.
Naturrechtslehre fordert dagegen eine notwendige Verbindung von Recht und Moral. Rechtliche Normen müssen nicht nur legal, sondern auch legitim sein - also auf Naturrecht basieren.
Kritik am Rechtspositivismus: Er kann unmenschlich sein, wie die NS-Zeit zeigte. Kritik an der Naturrechtslehre: Die Quellen (Gott, Natur, Vernunft) sind zweifelhaft und führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Die Radbruch'sche Formel
Gustav Radbruch entwickelte einen Kompromiss zwischen beiden Ansätzen. Seine Radbruch'sche Formel besagt: Positives Recht gilt auch bei Ungerechtigkeit - außer bei "unerträglichem Maß" oder wenn die Gleichheit aller Menschen "bewusst verleugnet" wird.
Die Nürnberger Gesetze gegen Juden waren deshalb nicht nur ungerecht, sondern überhaupt kein Recht. Richter müssen nur in extremen Fällen gegen Gesetze entscheiden.
💡 Praxistipp: Die Radbruch'sche Formel wird heute noch angewandt, um zu entscheiden, wann Gesetze zu ungerecht sind!

John Rawls - Gerechtigkeit als Fairness
Rawls erkannte ein Dilemma: Die Mächtigen profitieren nicht von mehr Gerechtigkeit, die Benachteiligten haben keinen Einfluss. Seine Lösung: der "Schleier des Nichtwissens".
Stellt euch vor, ihr müsstet Gesellschaftsregeln entwerfen, ohne zu wissen, als wer ihr geboren werdet - arm oder reich, Mann oder Frau, welche Hautfarbe. Da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, benachteiligt zu werden, würdet ihr eine faire Gesellschaft wählen.
Nach der Maximin-Regel wählt man die Option mit dem besten schlechtesten Ergebnis. Nicht den besten Durchschnitt, sondern eine Gesellschaft, in der es auch dem Ärmsten noch gut geht - ein Sozialstaat.
Rawls' zwei Gerechtigkeitsprinzipien
Das Gleichheitsprinzip fordert größtmögliche und gleiche Grundfreiheiten für alle - Wahlrecht, Meinungsfreiheit, Schutz vor willkürlicher Verhaftung.
Das Differenzprinzip erlaubt Ungleichheit nur dann, wenn sie den Schwächsten nutzt. Außerdem müssen alle die gleiche Chance auf wichtige Positionen haben. Wichtig: Freiheit geht immer vor Gütern!
Kritik: Ist Rawls' Ideal zu unrealistisch? Berücksichtigt er genug, dass Menschen egoistisch sind?
💡 Gedankenexperiment: Versucht selbst das Gedankenexperiment - welche Gesellschaft würdet ihr unter dem Schleier des Nichtwissens wählen?

Straftheorien - Warum strafen wir?
Strafe bedeutet gezielt zugefügtes Übel als Reaktion auf Normverstöße. Da Strafen massive Eingriffe in Freiheitsrechte sind (Haft, Geldstrafen, öffentliche Bloßstellung), müssen sie ethisch legitimiert werden.
Absolute Straftheorien
Absolute Straftheorien sind vergangenheitsorientiert und verfolgen keinen Zweck. Kant forderte: Strafe nur wegen der begangenen Tat, nicht für irgendeinen Nutzen. "Auge um Auge, Zahn um Zahn" - reine Vergeltung.
Das Strafmaß richtet sich allein nach der Schwere der Tat. Gerechtigkeit wird durch die Bestrafung selbst verwirklicht, unabhängig von den Folgen.
Relative Straftheorien
Relative Straftheorien sind zukunftsorientiert und wollen weitere Verbrechen verhindern. Generalprävention wirkt auf die ganze Gesellschaft (Abschreckung und Normbekräftigung), Spezialprävention auf den einzelnen Täter (Resozialisierung oder Unschädlichmachung).
Der Täter-Opfer-Ausgleich bringt beide zusammen. Besonders im Jugendstrafrecht kann Wiedergutmachung zur Verfahrenseinstellung führen und hilft bei der Resozialisierung.
Die heute gültige Vereinigungstheorie kombiniert alle Ansätze: Vergeltung UND Prävention, aber immer begrenzt durch die Schuld des Täters.
💡 Klausurtipp: Alle Straftheorien setzen Schuldfähigkeit voraus - ohne Schuld keine Strafe, nur Therapie!

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Gerechtigkeit ist ein komplexes Thema, das euch täglich begegnet - ob in der Schule, Familie oder Gesellschaft. Hier lernt ihr die wichtigsten Theorien kennen, die erklären, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet und wie unser Rechtssystem funktioniert.

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Die 6 Kriterien der Verteilungsgerechtigkeit nach Perelmann
Verteilungsgerechtigkeit beschäftigt sich mit der Frage: Wer bekommt was und warum? Perelmann hat sechs verschiedene Ansätze entwickelt, die zeigen, wie unterschiedlich "gerecht" definiert werden kann.
"Jedem das Gleiche" bedeutet, dass alle Menschen identisch behandelt werden - wie beim Wahlrecht oder vor Gericht. Das funktioniert aber nicht immer: Rentner zahlen weniger Eintritt als Berufstätige, was ebenfalls gerecht ist.
"Jedem nach seinen Verdiensten" kennt ihr aus Religionen wie dem Christentum (Jüngsten Gericht) oder Buddhismus (Karma). Problem: Wer definiert, was ein "Verdienst" ist? Das bleibt oft unklar und subjektiv.
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"Jedem nach seinem Rang" galt früher in Adelsgesellschaften und existiert heute noch beim Militär oder in Unternehmen. "Jedem nach dem Gesetz" macht Gerechtigkeit zur rechtlichen Frage - was legal ist, ist gerecht.
Das Problem: Millionen-Abfindungen für unfähige Manager wären dann "gerecht", weil vertraglich geregelt. Aristoteles fasste alle Formeln zusammen: "Jedem das Seine" - Gleiche gleich, Ungleiche ungleich behandeln.
Im Sportunterricht werden Jungen und Mädchen unterschiedlich bewertet, in Deutsch gleich - das ist gerecht, weil die Voraussetzungen unterschiedlich sind.
Positives Recht vs. Naturrecht
Positives Recht ist das vom Menschen gemachte Recht (wie unser Strafgesetzbuch). Es gilt nur solange der Staat existiert und kann geändert werden. Es schafft Legalität - formale Gesetzmäßigkeit.
Naturrecht dagegen ist vorstaatlich und ewig gültig. Es basiert auf höherer Moral und schafft Legitimität - moralische Rechtmäßigkeit. Beispiele sind die Menschenrechte im Grundgesetz.
💡 Wichtig: Positives Recht sagt "was erlaubt ist", Naturrecht sagt "was richtig ist" - manchmal widersprechen sie sich!

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Rechtspositivismus trennt Recht und Moral strikt. Nach Thomas Hobbes gilt: "Autorität bestimmt das Gesetz, nicht Wahrheit." Nur staatlich gesetztes Recht zählt, weil es Rechtssicherheit garantiert.
Naturrechtslehre fordert dagegen eine notwendige Verbindung von Recht und Moral. Rechtliche Normen müssen nicht nur legal, sondern auch legitim sein - also auf Naturrecht basieren.
Kritik am Rechtspositivismus: Er kann unmenschlich sein, wie die NS-Zeit zeigte. Kritik an der Naturrechtslehre: Die Quellen (Gott, Natur, Vernunft) sind zweifelhaft und führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Die Radbruch'sche Formel
Gustav Radbruch entwickelte einen Kompromiss zwischen beiden Ansätzen. Seine Radbruch'sche Formel besagt: Positives Recht gilt auch bei Ungerechtigkeit - außer bei "unerträglichem Maß" oder wenn die Gleichheit aller Menschen "bewusst verleugnet" wird.
Die Nürnberger Gesetze gegen Juden waren deshalb nicht nur ungerecht, sondern überhaupt kein Recht. Richter müssen nur in extremen Fällen gegen Gesetze entscheiden.
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Rawls erkannte ein Dilemma: Die Mächtigen profitieren nicht von mehr Gerechtigkeit, die Benachteiligten haben keinen Einfluss. Seine Lösung: der "Schleier des Nichtwissens".
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Rawls' zwei Gerechtigkeitsprinzipien
Das Gleichheitsprinzip fordert größtmögliche und gleiche Grundfreiheiten für alle - Wahlrecht, Meinungsfreiheit, Schutz vor willkürlicher Verhaftung.
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Straftheorien - Warum strafen wir?
Strafe bedeutet gezielt zugefügtes Übel als Reaktion auf Normverstöße. Da Strafen massive Eingriffe in Freiheitsrechte sind (Haft, Geldstrafen, öffentliche Bloßstellung), müssen sie ethisch legitimiert werden.
Absolute Straftheorien
Absolute Straftheorien sind vergangenheitsorientiert und verfolgen keinen Zweck. Kant forderte: Strafe nur wegen der begangenen Tat, nicht für irgendeinen Nutzen. "Auge um Auge, Zahn um Zahn" - reine Vergeltung.
Das Strafmaß richtet sich allein nach der Schwere der Tat. Gerechtigkeit wird durch die Bestrafung selbst verwirklicht, unabhängig von den Folgen.
Relative Straftheorien
Relative Straftheorien sind zukunftsorientiert und wollen weitere Verbrechen verhindern. Generalprävention wirkt auf die ganze Gesellschaft (Abschreckung und Normbekräftigung), Spezialprävention auf den einzelnen Täter (Resozialisierung oder Unschädlichmachung).
Der Täter-Opfer-Ausgleich bringt beide zusammen. Besonders im Jugendstrafrecht kann Wiedergutmachung zur Verfahrenseinstellung führen und hilft bei der Resozialisierung.
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