Glaube und Gottesbild - Von Angst zur Liebe
Stell dir vor, du hättest ständig Angst vor Gott - so war das Leben im Mittelalter! Die Menschen glaubten an einen strafenden Gott, der sie beim jüngsten Gericht in Himmel, Fegefeuer oder Hölle einteilt. Sie dachten, sie müssten ein perfektes Leben führen, um Gott zu gefallen.
Luther veränderte dieses Gottesbild komplett. Nach seinem Turmerlebnis erkannte er: Gott ist gnädig und barmherzig, nicht strafend. Der Glaube zählt - nicht wie viele Ablassbriefe man kauft! Luther lehrte, dass wir Gott lieben sollen, anstatt Angst vor ihm zu haben.
Diese Erkenntnis war revolutionär: Es ist völlig egal, wo und wie du lebst. Gottes Gnade hängt nicht von deinen Taten ab, sondern von deinem Glauben. Wenn du bereust, vergibt Gott dir - so einfach ist das!
Wichtig für die Klassenarbeit: Erkläre den Unterschied zwischen dem mittelalterlichen Gottesbild (strafend) und Luthers neuem Gottesbild (gnädig).
Luthers Lebensweg - Vom Mönch zum Reformator
1483 wird Martin Luther geboren und führt zunächst ein ganz normales Leben. Er geht zur Schule, studiert in Erfurt - bis 1505 alles verändert. Ein heftiges Gewitter in Stotternheim macht ihm so viel Angst, dass er verspricht, Mönch zu werden, falls er überlebt.
Luther hält Wort und wird Augustinermönch, später sogar Doktor der Theologie. Das entscheidende Jahr ist 1517: Sein Turmerlebnis öffnet ihm die Augen über den Ablasshandel der Kirche. Am 31. Oktober 1517 nagelt er seine berühmten 95 Thesen an die Kirchentür.
Die Folgen sind dramatisch: 1521 wird Luther vor dem Reichstag in Worms angeklagt und mit dem Kirchenbann bestraft. Trotzdem macht er weiter, übersetzt die Bibel ins Deutsche und heiratet sogar Katherina von Bora. 1546 stirbt er in Eisleben.
Ablasshandel und die 95 Thesen
Die Kirche hatte ein geniales Geschäftsmodell entdeckt: Ablassbriefe! Da die Menschen Todesangst vor dem Fegefeuer hatten, verkaufte die Kirche ihnen "Freikauf-Scheine" für ihre Sünden. Mit diesem Geld finanzierte sie sogar den Petersdom in Rom.
Luther durchschaute diesen Betrug und erkannte: "Nur der Glaube zählt!" Das steht sogar in der Bibel, aber die Menschen konnten sie nicht lesen, weil sie nur auf Lateinisch existierte. Seine 95 Thesen waren der Startschuss für die Reformation.
Luther fasste seine Erkenntnisse in vier Grundsätzen zusammen: Sola scriptura (allein die Schrift), sola gratia (allein die Gnade), sola fide (allein der Glaube) und solus christus (allein Christus). Diese "Solas" bilden bis heute das Fundament der evangelischen Kirche.
Merktipp: Die Reformation begann am 31.10.1517 mit den 95 Thesen - deshalb ist der Reformationstag am 31. Oktober!