BWR kann am Anfang ziemlich überwältigend wirken - aber keine...
BWR Lernzettel: Unternehmensziele, Materialwirtschaft & Vollkostenrechnung










Unternehmerische Ziele und Kennzahlen
Unternehmen verfolgen nicht nur das eine große Ziel "Geld verdienen" - sie haben ein ganzes Bündel an Zielen. Diese gliedern sich in ökonomische (wirtschaftliche), ethisch-soziale und ökologische Ziele.
Bei den ökonomischen Zielen unterscheidest du zwischen monetären (Gewinn, Liquidität) und nicht-monetären Zielen (Macht, Image, Qualität). Hier kommen auch zwei wichtige Prinzipien ins Spiel: Das Maximalprinzip (mit festem Budget den größtmöglichen Erfolg erzielen) und das Minimalprinzip (ein bestimmtes Ziel mit möglichst wenig Aufwand erreichen).
Richtig interessant wird's bei den Zielbeziehungen: Manchmal unterstützen sich Ziele gegenseitig (Zielharmonie), manchmal beeinflussen sie sich nicht (Zielindifferenz) und manchmal stehen sie im Zielkonflikt - dann muss das Unternehmen Prioritäten setzen.
Praxis-Tipp: Die Kennzahlen Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Rentabilität helfen dir, die Effizienz eines Unternehmens zu bewerten. Die Wirtschaftlichkeit sollte über 1 liegen, die Rentabilität über dem Marktzins.

Materialbeschaffung - So kaufen Unternehmen ein
Die Materialbeschaffung läuft in vier Schritten ab: Erst werden Bezugsquellen ermittelt (intern durch Lieferantendateien, extern übers Internet oder Messen). Dann folgt der Angebotsvergleich.
Beim Angebotsvergleich rechnest du den quantitativen Vergleich (Bezugskalkulation) durch: Vom Listeneinkaufspreis ziehst du Rabatt und Skonto ab, addierst die Bezugskosten und erhältst den Bezugspreis. Aber Vorsicht - der Preis ist nicht alles! Der qualitative Vergleich berücksichtigt auch Faktoren wie Lieferzeit, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit.
Bei den Beschaffungsarten hast du drei Optionen: Fallweise Beschaffung (bestellen, wenn man's braucht), Vorratsbeschaffung (auf Lager kaufen) oder fertigungssynchrone Beschaffung (Just-in-Time). Jede hat ihre Vor- und Nachteile.
Merke dir: Die Andlerformel hilft dir, die optimale Bestellmenge zu berechnen - dort, wo Lager- und Bestellkosten zusammen am geringsten sind.

Bestellverfahren und optimale Mengen
Das Bestellpunktverfahren sorgt dafür, dass dir nie das Material ausgeht. Du hast einen Mindestbestand (die "eiserne Reserve"), einen Meldebestand (löst automatisch Bestellungen aus) und einen Höchstbestand (den du nicht überschreiten solltest).
Die optimale Bestellmenge findest du durch tabellarische oder grafische Ermittlung. Das Beispiel mit den Ölfiltern zeigt's perfekt: Bei 667 Stück Bestellmenge sind die Gesamtkosten am niedrigsten, weil sich Bestell- und Lagerhaltungskosten die Waage halten.
Die Tabelle funktioniert so: Je häufiger du bestellst, desto höher werden die Bestellkosten, aber desto niedriger die Lagerkosten. Bei der optimalen Bestellmenge kreuzen sich beide Kostenkurven - dort ist der Sweet Spot.
Wichtig: Der durchschnittliche Lagerbestand ist immer die Hälfte der Bestellmenge. Das brauchst du für alle weiteren Berechnungen!

ABC-Analyse - Prioritäten richtig setzen
Die ABC-Analyse ist ein echter Gamechanger: Du teilst deine Materialien in drei Gruppen ein. A-Güter haben einen großen Wertanteil (ca. 80%), aber kleinen Mengenanteil - die kontrollierst du ganz genau mit Just-in-Time-Lieferung.
B-Güter (ca. 10% Wertanteil) behandelst du je nach Einzelfall wie A- oder C-Güter. C-Güter (nur 5% Wertanteil, aber großer Mengenanteil) lässt du lockerer laufen - großzügige Sicherheitsbestände und weniger Kontrollen.
Die Durchführung ist systematisch: Du berechnest die Jahresgesamtkosten, sortierst absteigend, ermittelst Wert- und Mengenanteile und bildest die kumulierten Anteile. So erkennst du schnell, welche wenigen Teile den Großteil deiner Kosten verursachen.
Faustregel: 20% der Materialien verursachen 80% der Kosten (A-Güter). Konzentriere deine Energie auf diese wichtigen Teile!

Kostenartenrechnung - Was kostet was?
In der Kostenartenrechnung sortierst du alle Kosten nach ihrer Zurechenbarkeit. Einzelkosten (Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne) kannst du direkt einem Produkt zuordnen. Gemeinkosten (Gehälter, Miete, Strom) fallen für mehrere Produkte an und müssen über Zuschlagssätze verteilt werden.
Außerdem unterscheidest du zwischen Fixkosten (bleiben konstant, egal wie viel produziert wird) und variablen Kosten (ändern sich mit der Produktionsmenge). Das ist mega wichtig für deine späteren Kalkulationen!
Neutrale Aufwendungen gehören nicht zu den Kosten, weil sie betriebsfremd (z.B. Wertpapierverluste), periodenfremd (Steuernachzahlungen) oder außerordentlich (Katastrophenschäden) sind.
Begriffe-Check: Unterscheide sauber zwischen Einnahmen/Ausgaben (Geld), Erträgen/Aufwendungen (Finanzbuchhaltung) und Leistungen/Kosten (Kostenrechnung)!

Kostenstellenrechnung - Wo entstehen Kosten?
Die Kostenstellenrechnung fragt "Wo sind die Kosten entstanden?" und verteilt sie auf Kostenstellen wie Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Das Herzstück ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB).
Im BAB berechnest du die Zuschlagssätze: Materialgemeinkosten-Zuschlag bezogen auf Fertigungsmaterial, Fertigungsgemeinkosten-Zuschlag bezogen auf Fertigungslöhne, Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten bezogen auf die Herstellkosten des Umsatzes.
Das Kalkulationsschema führt dich systematisch von den Materialkosten über die Fertigungskosten zu den Herstellkosten und schließlich zu den Selbstkosten. Bei Bestandsveränderungen musst du zwischen Herstellkosten der Abrechnungsperiode (HKA) und des Umsatzes (HKU) unterscheiden.
Tipp: Lerne das Kalkulationsschema auswendig - das brauchst du in jeder Klausur und später im Beruf!

Gemeinkostenzuschlagssätze berechnen
Die Ist-Gemeinkostenzuschlagssätze berechnest du, indem du die tatsächlich angefallenen Gemeinkosten durch die jeweilige Basis teilst und mit 100 multiplizierst. Das Beispiel zeigt: Bei 4.000€ Materialgemeinkosten und 16.000€ Fertigungsmaterial ergibt das 25% Zuschlag.
Der Unterschied zwischen Ist- und Normalgemeinkosten ist entscheidend: Istgemeinkosten sind die tatsächlich angefallenen Kosten, Normalgemeinkosten basieren auf Erfahrungswerten. Daraus entstehen Über- oder Unterdeckungen.
Eine Überdeckung bedeutet: Die Normalkosten waren höher als die Istkosten (Kosteneinsparung!). Eine Unterdeckung heißt: Die Istkosten waren höher als geplant (Mehrverbrauch).
Merke: Überdeckungen sind positiv (gespart), Unterdeckungen negativ (Mehrverbrauch) - das beeinflusst dein Betriebsergebnis!

Kostenträgerrechnung - Wofür entstehen Kosten?
Die Kostenträgerrechnung beantwortet die Frage "Wofür sind Kosten entstanden?" und rechnet sie den einzelnen Produkten zu. Du unterscheidest zwischen Kostenträgerzeitrechnung (ganze Abrechnungsperiode) und Kostenträgerstückrechnung (pro Stück).
In der Kostenträgerzeitrechnung stellst du Normal- und Istkosten gegenüber. Die Vorkalkulation (mit Normalzuschlägen) dient der Angebotspreisfindung, die Nachkalkulation (mit Istzuschlägen) der Kontrolle.
Das Betriebsergebnis errechnest du aus dem Umsatzergebnis plus/minus Kostenüber-/unterdeckungen. So siehst du, ob dein Unternehmen wirklich profitabel arbeitet.
Wichtig: Das Kostenträgerzeitblatt verbindet alle Kostenrechnungsbereiche und zeigt dir das echte Betriebsergebnis!

Kostenträgerstückrechnung und Preiskalkulation
Bei der Kostenträgerstückrechnung kalkulierst du erst die Selbstkosten pro Stück, dann den Angebotspreis. Du hast drei Methoden: Vorwärtskalkulation (von oben nach unten), Rückwärtskalkulation (von unten nach oben) und Differenzkalkulation (beide Richtungen).
Die Vorwärtskalkulation startet bei den Selbstkosten, addiert Gewinn, Vertreterprovision, Skonto und Rabatt bis zum Angebotspreis. Bei der Rückwärtskalkulation hast du einen festen Marktpreis und rechnest rückwärts zu den Selbstkosten.
Die Differenzkalkulation kombiniert beide: Du kalkulierst vorwärts bis zu einem bestimmten Punkt und rückwärts von einem anderen. Das hilft dir, flexible Preisstrategien zu entwickeln.
Praxis-Tipp: In der Realität nutzt du oft die Rückwärtskalkulation - der Markt gibt den Preis vor, und du prüfst, ob du zu dem Preis profitabel liefern kannst!
Wir dachten schon, du fragst nie...
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