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Abitur Zusammenfassung: Neurobiologie & Immunbiologie 2023











Nervensystem - Von einfach zu komplex
Stell dir vor, wie sich Nervensysteme entwickelt haben - von simplen Quallen bis zu dir! Bei Quallen findest du nur einfache Nervennetze, während Ringelwürmer schon ein Strickleiternervensystem mit zwei Nervensträngen und Ganglien besitzen.
Bei Wirbeltieren wie uns ist das System viel ausgefeilter: Das zentrale Nervensystem (ZNS) aus Gehirn und Rückenmark verarbeitet alle Informationen. Das periphere Nervensystem verbindet den Körper mit dem ZNS über afferente Neuronen (bringen Infos rein) und efferente Neuronen (schicken Befehle raus).
Das autonome Nervensystem läuft unbewusst ab und teilt sich in drei Bereiche: Sympathikus (Stress und Leistung), Parasympathikus (Ruhe und Entspannung) und Enterisches System (Verdauung).
Merktipp: Afferent = Ankommend, Efferent = Entgehend
Reflexe sind superschnell, weil sie das Gehirn umgehen. Eigenreflexe passieren im selben Organ (nur eine Synapse), Fremdreflexe zwischen verschiedenen Organen (mehrere Synapsen).

Neuronen - Die Grundbausteine des Nervensystems
Neuronen sind die Stars deines Nervensystems - sie nehmen Reize wahr und leiten sie weiter. Das Soma (Zellkörper) ist die Zentrale mit Zellkern und allen wichtigen Organellen. Von hier aus erstreckt sich das Axon bis zu einem Meter lang und transportiert Signale zu anderen Zellen.
Die Dendriten sind wie Antennen - sie empfangen elektrische Signale von Nachbarneuronen. Am Axonhügel werden alle Signale gesammelt und bei Überschreitung des Schwellenwerts entsteht ein Aktionspotential.
Gliazellen sind die Helfer: Schwann-Zellen bilden die Myelinscheide um Axone, die wie eine Isolierung funktioniert. Die Ranvierschen Schnürringe unterbrechen diese Isolierung und ermöglichen superschnelle Signalweiterleitung.
Fun Fact: Ein Axon kann einen Meter lang werden - das ist länger als du groß bist!
Je nach Aufbau unterscheidet man unipolare (ein Fortsatz), bipolare (zwei Fortsätze), pseudo-unipolare (verschmolzene Fortsätze) und multipolare Neuronen (viele Fortsätze mit starker Verästelung).

Ruhepotential - Die Ruhe vor dem Sturm
Das Ruhepotential von etwa -70mV ist wie ein gespannter Bogen - bereit, sofort zu reagieren. Diese Spannung entsteht durch clevere Ionenverteilung: Außerhalb der Zelle sind mehr Natrium- und Chloridionen (positiv), innen mehr Kaliumionen und große Proteine (negativ).
Die selektiv permeable Membran lässt nicht alle Ionen durch. Kaliumkanäle sind offen und K+ diffundiert nach außen, um Konzentrationsunterschiede auszugleichen. Gleichzeitig entstehen Leckströme - Na+ sickert langsam in die Zelle.
Die Natrium-Kalium-Pumpe arbeitet wie ein Türsteher: Sie pumpt unter ATP-Verbrauch drei Na+ raus und zwei K+ rein. Das hält das Ruhepotential stabil, obwohl ständig Ionen "lecken".
Eselsbrücke: Innen negativ, außen positiv - wie bei einer Batterie!
Messung funktioniert mit einer Mikroelektrode (winzige Glaspipette) im Zellinneren und einer Bezugselektrode außerhalb. Ein Verstärker und Oszilloskop zeigen die gemessene Spannung an.

Aktionspotential - Der elektrische Blitz
Ein Aktionspotential folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip - entweder es läuft komplett ab oder gar nicht. Sobald der Schwellenwert erreicht ist, startet eine faszinierende Kettenreaktion in drei Phasen.
Depolarisation: Spannungsgesteuerte Natriumkanäle öffnen sich blitzschnell, Na+ strömt rein und das Membranpotential wird stark positiv (Overshoot). Nach einer Millisekunde schließen sich die Natriumkanäle automatisch.
Repolarisation: Jetzt öffnen sich die Kaliumkanäle, K+ strömt raus und macht das Zellinnere wieder negativ. Hyperpolarisation entsteht kurz, wenn zu viele K+ ausströmen (Undershoot).
Die absolute Refraktärzeit verhindert neue Aktionspotentiale, weil Natriumkanäle blockiert sind. In der relativen Refraktärzeit ist der Schwellenwert erhöht, aber neue Signale sind möglich.
Merksatz: Na+ rein = positiv, K+ raus = negativ
Erregungsleitung funktioniert durch lokale Strömchen zwischen erregten und ruhenden Bereichen. Die Myelinscheide ermöglicht saltatorische Leitung - das Signal "springt" von Schnürring zu Schnürring und wird dadurch viel schneller.

Synapsen - Wo Neuronen miteinander reden
Chemische Synapsen wandeln elektrische Signale in chemische um - wie ein Übersetzer zwischen zwei Sprachen. Wenn ein Aktionspotential das Endknöpfchen erreicht, öffnen sich Kalziumkanäle und Ca2+ strömt rein.
Mehr Kalzium bedeutet mehr Vesikelverschmelzung mit der Membran. Durch Exozytose werden Neurotransmitter in den synaptischen Spalt freigesetzt - je mehr Aktionspotentiale, desto mehr Transmitter.
An der postsynaptischen Membran warten transmittergesteuerte Ionenkanäle. Sobald Neurotransmitter andocken, öffnen sich Natriumkanäle und erzeugen ein postsynaptisches Potential. Bei Schwellenwertüberschreitung entsteht ein neues Aktionspotential.
Inaktivierung ist wichtig: Das Enzym Acetylcholinesterase spaltet den Transmitter Acetylcholin, die Bruchstücke diffundieren zurück und werden recycelt.
Analogie: Synapsen funktionieren wie eine Briefpost - das Signal wird "verpackt", verschickt und am Ziel "ausgepackt".
Elektrische Synapsen sind direkter: Gap Junctions verbinden beide Zellen, Ionen können bidirektional fließen. Das Signal wird verzögerungsfrei und in beide Richtungen übertragen.

Neurotransmitter und Informationsverarbeitung
Neurotransmitter wie Acetylcholin und GABA sind die chemischen Boten deines Nervensystems. Neuronen sind meist cholinerg - sie produzieren nur einen spezifischen Transmitter. Die Synthese läuft entweder im Soma am rauen ER ab oder direkt an der Synapse.
Second-Messenger-Systeme wirken länger und verstärken Signale: Noradrenalin aktiviert über G-Proteine eine Kaskade, die cAMP produziert. Das schließt Kaliumkanäle und macht Neuronen länger erregbar.
Erregende Synapsen (EPSP) öffnen Natriumkanäle und depolarisieren. Hemmende Synapsen (IPSP) öffnen Chloridkanäle und hyperpolarisieren. Das Neuron "rechnet" alle Signale zusammen (synaptische Integration).
Räumliche Summation addiert gleichzeitige Signale verschiedener Synapsen. Zeitliche Summation addiert schnell aufeinanderfolgende Signale derselben Synapse.
Schlüsselprinzip: Das Gehirn funktioniert durch Balance von Erregung und Hemmung
Informationscodierung läuft digital und analog: Aktionspotentiale haben immer dieselbe Stärke (Alles-oder-Nichts), aber die Frequenz codiert die Reizstärke. Mehr Reiz = mehr Aktionspotentiale pro Zeit.

Synapsengifte - Wenn die Kommunikation gestört wird
Synapsengifte greifen gezielt die neuronale Kommunikation an und zeigen uns, wie fein abgestimmt das System ist. Alpha-Latrotoxin der Schwarzen Witwe öffnet Kalziumkanäle permanent - alle Vesikel entleeren sich schlagartig und verursachen Muskelkrämpfe.
Botulinumtoxin macht das Gegenteil: Es verhindert die Vesikelverschmelzung komplett. Keine Transmitterfreisetzung bedeutet Muskellähmung - deshalb wird Botox auch in der Medizin eingesetzt.
Tetanustoxin blockiert hemmende Neurotransmitter wie GABA und Glycin. Ohne Bremse führt das zu Dauererregung und gefährlichen Muskelkrämpfen.
Alpha-Bungarotoxin der Königskobra und Curare blockieren Acetylcholin-Rezeptoren, aber unterschiedlich stark. Curare wirkt kompetitiv und reversibel, Bungarotoxin bindet dauerhaft.
Interessant: Viele Gifte werden heute als Medikamente eingesetzt - die Dosis macht das Gift!
Nikotin ahmt Acetylcholin nach und aktiviert dessen Rezeptoren. Atropin aus der Tollkirsche blockiert sie. Insektizide wie Tabun hemmen die Acetylcholinesterase - der Transmitter wird nicht abgebaut und wirkt endlos.

Sinneswahrnehmung - Wie Reize zu Signalen werden
Deine Sinneszellen sind hochspezialisierte Detektive: Chemorezeptoren erschnüffeln Moleküle, Fotorezeptoren fangen Licht, Mechanorezeptoren spüren Berührung und Thermorezeptoren messen Temperatur.
Jede Sinneszelle reagiert nur auf ihren adäquaten Reiz - das ist ihre Spezialität. Signaltransduktion wandelt den Reiz in elektrische Erregung um: Rezeptorproteine ändern bei Reizung ihre Form und öffnen Ionenkanäle.
Primäre Sinneszellen können selbst Aktionspotentiale erzeugen. Sekundäre Sinneszellen haben kein eigenes Axon und geben Signale über Synapsen weiter - wie die Haarzellen in deinem Ohr.
Rezeptoradaption sorgt dafür, dass du dich an konstante Reize gewöhnst. Phasische Rezeptoren reagieren nur auf Veränderungen (deshalb riechst du dein Parfum nach einer Weile nicht mehr), tonische Rezeptoren melden dauerhaft.
Alltagsbeispiel: Du spürst deine Kleidung nicht ständig - das ist Adaption!
Phasisch-tonische Rezeptoren kombinieren beide Eigenschaften: Anfangs hohe Aktivität, dann konstant niedrige.

Das Auge - Deine biologische Kamera
Dein Auge ist eine geniale biologische Kamera. Die Hornhaut bündelt Lichtstrahlen, die Iris reguliert wie eine Blende den Lichteinfall und die Linse fokussiert scharf. Das Kammerwasser versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen.
Die Retina ist der eigentliche Star - ein vorgeschobener Teil deines Gehirns! Paradoxerweise ist sie invers angeordnet: Licht muss erst durch mehrere Zellschichten, bevor es die Fotorezeptoren erreicht.
Das Signal läuft dann rückwärts: Fotorezeptoren → Horizontalzellen → Bipolarzellen → amakrine Zellen → Ganglienzellen → Sehnerv. Diese Verschaltung ermöglicht schon in der Retina komplexe Bildverarbeitung.
Der blinde Fleck entsteht dort, wo der Sehnerv austritt - keine Fotorezeptoren vorhanden. Dein Gehirn "erfindet" die fehlenden Informationen einfach dazu!
Cooles Detail: Deine Netzhaut verarbeitet Bilder schon vor dem Gehirn!
Die Fovea (gelber Fleck) hat die höchste Zapfendichte und ermöglicht schärfstes Sehen. Stäbchen sind 1000-mal lichtempfindlicher als Zapfen und funktionieren bei schwachem Licht.

Sehen - Vom Licht zum Bild
Fototransduktion ist molekulare Magie: Rhodopsin (aus Retinal + Opsin) absorbiert Photonen und verändert seine Form. Ein einziges Photon startet eine Kaskade, die Millionen von Natriumionen blockiert - krasse Signalverstärkung!
Im Dunkeln herrscht Dunkelstrom: cGMP hält Natriumkanäle offen, Stäbchen sind bei -40mV depolarisiert und geben ständig Glutamat ab. Licht aktiviert Phosphodiesterase, die cGMP abbaut. Kanäle schließen sich, Hyperpolarisation auf -70mV stoppt die Glutamatausschüttung.
Farbensehen funktioniert mit drei Zapfentypen: Blau-, Grün- und Rotzapfen haben unterschiedliche Opsinvarianten für verschiedene Wellenlängen. Dein Gehirn "berechnet" alle Farben aus diesen drei Grundsignalen.
Hell-Dunkel-Adaptation erklärt, warum du im Kino anfangs nichts siehst: Tagsüber arbeiten hauptsächlich Zapfen, nachts Stäbchen. Der Wechsel dauert, weil ungebleichtes Rhodopsin erst regeneriert werden muss.
Faszinierend: Ein Photon reicht aus, um eine Sinneszelle zu aktivieren!
Bei schwachem Licht steigt die Rhodopsinkonzentration in beiden Rezeptortypen, aber Stäbchen sind viel empfindlicher und übernehmen die Nachtsicht.
Wir dachten schon, du fragst nie...
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Abitur Zusammenfassung: Neurobiologie & Immunbiologie 2023
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Nervensystem - Von einfach zu komplex
Stell dir vor, wie sich Nervensysteme entwickelt haben - von simplen Quallen bis zu dir! Bei Quallen findest du nur einfache Nervennetze, während Ringelwürmer schon ein Strickleiternervensystem mit zwei Nervensträngen und Ganglien besitzen.
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