Schock ist eine lebensbedrohliche Störung des Blutkreislaufs, bei der ein...
Schock in der Medizin: Ein Leitfaden









Definition und Schockspirale
Schock bedeutet, dass dein Blutkreislauf so gestört ist, dass deine Organe nicht mehr genug Sauerstoff bekommen. Das ist extrem gefährlich und kann schnell lebensbedrohlich werden.
Dein Körper reagiert mit Zentralisierung - er zieht das Blut aus Armen und Beinen ab und konzentriert es auf Herz und Gehirn. Die Blutgefäße an der Körperperipherie verengen sich, damit mehr Blut für die wichtigsten Organe zur Verfügung steht.
Das Problem: In der schlecht durchbluteten Peripherie entstehen saure Stoffwechselprodukte. Diese führen zu einer Mikrozirkulationsstörung - das Blut kann nicht mehr richtig zirkulieren und es bilden sich kleine Blutgerinnsel (Mikrothromben).
Wichtig: Ohne schnelle Behandlung entsteht eine Schockspirale, die zum multiplen Organversagen führt!
Besonders kritisch wird es, wenn sich eine DIC (Disseminierte intravasale Koagulopathie) entwickelt. Dabei verbraucht dein Körper alle Gerinnungsfaktoren für die vielen kleinen Thromben - paradoxerweise führt das zu schweren Blutungen.

Stadien und Schockarten
Der Schock läuft in drei Stadien ab, die du unbedingt erkennen können musst:
Stadium I (kompensiert): Der Patient ist noch ansprechbar, aber unruhig und ängstlich. Blutdruck ist normal, Puls leicht erhöht, Haut kalt und schweißig.
Stadium II (dekompensiert): Patient reagiert nicht mehr adäquat, flache Atmung, schlechter tastbarer Puls, weniger Urin. Stadium III (manifest): Bewusstlosigkeit, unregelmäßige Atmung, grau-marmorierte Haut, kein messbarer Blutdruck mehr.
Es gibt vier Hauptschockarten: Den hypovolämischen Schock (Volumenmangel), distributiven Schock (Verteilungsstörung), kardiogenen Schock (Herzversagen) und obstruktiven Schock (Gefäßverschluss).
Merkregel: Je früher du einen Schock erkennst, desto besser sind die Überlebenschancen!
Die verschiedenen Schockarten haben unterschiedliche Ursachen, aber alle führen letztendlich zum gleichen Problem: Sauerstoffmangel in den Organen.

Hypovolämischer Schock
Beim hypovolämischen Schock hat dein Patient schlichtweg zu wenig Flüssigkeit im Kreislauf - entweder durch Blutverlust oder extreme Dehydratation. Schon 15-20% Volumenverlust können bei gesunden Menschen zum Schock führen.
Die häufigsten Ursachen sind starke Blutungen, massives Erbrechen, extreme Durchfälle oder schwere Verbrennungen. Je nach Ursache unterscheidest du zwischen hämorrhagischem Schock (Blutverlust) und hypovolämischem Schock (Flüssigkeitsverlust ohne Blutung).
Dein Körper aktiviert das Stresssystem: Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller und kräftiger, die Blutgefäße verengen sich. Das RAAS-System der Niere wird aktiviert, um Flüssigkeit zurückzuhalten.
Praxistipp: Stadium 1 erkennst du an feuchter, kühler Haut bei noch normalem Blutdruck - hier kannst du noch viel bewirken!
Die Therapie besteht aus Schocklagerung, Sauerstoffgabe, Volumenzufuhr und schnellem Transport. Bei schweren Blutungen ist manchmal eine "permissive Hypotension" sinnvoll - der Blutdruck wird bewusst niedrig gehalten, um weitere Blutungen zu vermeiden.

DIC und Therapieprinzipien
Die disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC) ist eine gefürchtete Komplikation. Dabei werden überall im Körper kleine Blutgerinnsel gebildet, wodurch alle Gerinnungsfaktoren verbraucht werden - paradoxerweise entstehen dann massive Blutungen.
DIC tritt häufig bei Sepsis, schweren Traumata oder Mikrozirkulationsstörungen auf. Das Perfide: Je mehr Blut verloren geht, desto schlimmer wird der Schock - ein Teufelskreis.
Die Grundprinzipien der Schocktherapie sind immer ähnlich: Schocklagerung (Beine hoch, Kopf flach), High-Flow-Sauerstoffgabe, Volumenzufuhr und Wärmeerhalt. Unterkühlung verschlechtert nämlich die Blutgerinnung und kann zu Herzrhythmusstörungen führen.
Wichtig: Bei großem Blutverlust kann eine Volumentherapie allein ausreichen, wenn schnell genug gehandelt wird!
Wenn möglich, solltest du die Blutung stillen. Bei unstillbaren inneren Blutungen akzeptierst du bewusst einen niedrigen Blutdruck, bis der Chirurg die Blutung stoppen kann. Katecholamine kommen erst zum Einsatz, wenn die Volumentherapie nicht ausreicht.

Distributiver Schock
Beim distributiven Schock ist genug Blut da, aber es ist falsch verteilt. Die Blutgefäße sind zu weit gestellt oder zu durchlässig - das Blut "versackt" in der Peripherie oder tritt ins Gewebe aus.
Der septische Schock macht 60% aller Schockformen aus und hat eine hohe Sterblichkeit. Bakterien lösen eine überschießende Immunreaktion aus - Botenstoffe weiten alle Blutgefäße und machen sie durchlässig. Der qSOFA-Score hilft dir bei der Erkennung: Atemfrequenz >22/min, Bewusstseinsstörung, systolischer Blutdruck <100mmHg.
Beim anaphylaktischen Schock setzt Histamin eine extreme allergische Reaktion in Gang. Du erkennst ihn an Juckreiz, Hautrötung, Schwellungen und Atemnot. Therapie der Wahl: sofort Epinephrin intramuskulär!
Notfall-Tipp: Bei Anaphylaxie keine Zeit verlieren - 0,3-0,5mg Epinephrin i.m., kann nach 5 Minuten wiederholt werden!
Der neurogene Schock entsteht durch Schädigung des Nervensystems, meist nach Wirbelsäulenverletzungen. Hier fällt die sympathische Kontrolle aus - typisch sind warme, trockene Haut und Bradykardie statt der üblichen Tachykardie.

Pathophysiologie und spezielle Therapien
Bei der Anaphylaxie setzt hauptsächlich Histamin die Kaskade in Gang. Es wirkt an H1-Rezeptoren (Gefäßweitstellung, Ödembildung, Bronchienverengung) und H2-Rezeptoren (vermehrte Magensäureproduktion). Deshalb sind die Symptome so vielfältig.
Beim neurogenen Schock führt der Ausfall der sympathischen Regulation zu warmer, trockener Haut - im Gegensatz zu anderen Schockformen. Je nach Höhe der Rückenmarksverletzung können Bradykardie oder sogar Atemprobleme auftreten.
Das Sludge-Phänomen beschreibt eine Mikrozirkulationsstörung, bei der die roten Blutkörperchen zusammenkleben und die Durchblutung verschlechtern. Das verstärkt die Sauerstoffmangelversorgung zusätzlich.
Praxis-Merkregel: Septischer Schock = heiß und trocken, alle anderen Schockformen = kalt und feucht!
Therapieunterschiede: Beim septischen Schock steht die Flachlagerung und Volumengabe im Vordergrund. Bei der Anaphylaxie musst du sofort das Allergen entfernen und Epinephrin geben. Beim neurogenen Schock ist achsengerechte Lagerung entscheidend, um weitere Rückenmarksschäden zu vermeiden.

Kardiogener Schock
Der kardiogene Schock entsteht, wenn dein Herz als Pumpe versagt. Häufigste Ursache ist der Herzinfarkt, aber auch Herzmuskelentzündungen oder Herzklappenprobleme können dazu führen.
Das Tückische: Dein Körper versucht zu kompensieren, macht aber alles schlimmer. Bei einem Herzinfarkt erhöht sich die Herzfrequenz, um den niedrigen Blutdruck auszugleichen. Dadurch wird die Diastole verkürzt - das Herz kann sich schlechter mit Blut füllen und sich selbst schlechter versorgen.
Gleichzeitig aktiviert sich das RAAS-System: Die Niere produziert Renin, daraus entsteht über mehrere Schritte Angiotensin II, das die Gefäße verengt und Aldosteron freisetzt. Das Blutvolumen steigt, aber das schwache Herz muss gegen einen höheren Widerstand anpumpen.
Wichtig: Beim kardiogenen Schock KEINE klassische Schocklagerung! Das überlastet das schwache Herz zusätzlich.
Symptome sind gestaute Halsvenen (Rechtsherzversagen), Lungenödem (Linksherzversagen), Hypotonie und die üblichen Schockzeichen. Therapie: Vorsichtige Volumentherapie, bei Blutdruck >80mmHg Oberkörper hoch, bei <80mmHg flach lagern.

Obstruktiver Schock
Beim obstruktiver Schock wird der Blutfluss mechanisch blockiert - entweder durch Druck von außen oder Verstopfung von innen. Das Herz selbst ist gesund, kann aber nicht richtig arbeiten.
Klassische Ursachen sind der Spannungspneumothorax (Luft drückt auf Herz und Gefäße), Lungenembolien (Blutgerinnsel verstopft Lungengefäße) oder das Vena-Cava-Kompressionssyndrom (bei Schwangeren drückt das Baby die große Hohlvene ab).
Die Symptome ähneln dem kardiogenen Schock: gestaute Halsvenen, Atemnot, niedriger Blutdruck. Der Unterschied liegt in der spezifischen Therapie: Spannungspneu braucht eine Thoraxdrainage, Lungenembolie eine Thrombolyse, Vena-Cava-Syndrom eine Seitenlagerung.
Schlüssel zum Erfolg: Die richtige Diagnose! Ohne Ursachenbehebung hilft keine symptomatische Therapie.
Mikro- vs. Makrozirkulation: Mikrozirkulationsstörungen betreffen die kleinen Gefäße (Kapillaren, Arteriolen) und entstehen bei allen Schockformen. Makrozirkulationsstörungen betreffen die großen Gefäße und sind typisch für den obstruktiven Schock.
Wir dachten schon, du fragst nie...
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Wichtig: Ohne schnelle Behandlung entsteht eine Schockspirale, die zum multiplen Organversagen führt!
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Merkregel: Je früher du einen Schock erkennst, desto besser sind die Überlebenschancen!
Die verschiedenen Schockarten haben unterschiedliche Ursachen, aber alle führen letztendlich zum gleichen Problem: Sauerstoffmangel in den Organen.

Hypovolämischer Schock
Beim hypovolämischen Schock hat dein Patient schlichtweg zu wenig Flüssigkeit im Kreislauf - entweder durch Blutverlust oder extreme Dehydratation. Schon 15-20% Volumenverlust können bei gesunden Menschen zum Schock führen.
Die häufigsten Ursachen sind starke Blutungen, massives Erbrechen, extreme Durchfälle oder schwere Verbrennungen. Je nach Ursache unterscheidest du zwischen hämorrhagischem Schock (Blutverlust) und hypovolämischem Schock (Flüssigkeitsverlust ohne Blutung).
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