Paul Boldt: "Auf der Terrasse des Café Josty" (1912)
Stell dir vor, du sitzt in einem Café und beobachtest das wilde Treiben einer Großstadt - genau das macht Paul Boldt in seinem expressionistischen Gedicht. Er beschreibt den Potsdamer Platz in Berlin als einen Ort des ständigen Lärms und Chaos.
Das Gedicht ist als Sonett aufgebaut - das sind 14 Verse mit zwei Quartetten und zwei Terzetten. Das Reimschema mischt umarmenden Reim, Kreuzreim und Paarreim, während das Metrum unregelmäßig ist - das verstärkt den chaotischen Eindruck der Stadt.
Boldt verwendet krasse Gegensätze: Automobile stehen für Fortschritt, während er Menschen als "Menschenmüll" bezeichnet - eine harte Kritik an der Entmenschlichung. Die Menschen "rinnen" wie Wasser über den Asphalt, als hätten sie keine eigene Kontrolle mehr über ihr Leben.
Merke dir: Expressionistische Dichter liebten es, mit schockierenden Metaphern und düsteren Bildern die Probleme der modernen Welt zu kritisieren - genau wie Boldt hier das hektische Stadtleben anprangert.