Die Figuren und ihre Gegensätze
Die Figurenkonstellation zeigt einen krassen Gegensatz zwischen den beiden Frauen in Thiels Leben. Minna verkörpert alles Geistige und Reine: mädchenhaft, zierlich, liebevoll, aber todkrank. Lene hingegen repräsentiert das Körperliche: kräftig, robust, aggressiv, aber auch attraktiv mit "herkulischer Gestalt".
Tobias fungiert als lebendiges Bindeglied zu Minna - durch ihn bleibt die Verbindung zur verstorbenen Frau bestehen. Lenes eigenes Kind bleibt sogar namenlos und wird nur als "Lenes Balg" bezeichnet, was ihre Gleichgültigkeit gegenüber echter Mutterliebe zeigt.
Thiel selbst ist zerrissen zwischen zwei Welten: Außenwelt (Gemeinschaft, Körper, Lene, Sexus) und Innenwelt (Einsamkeit, Geist, Minna, Eros). Diese Spaltung macht ihn handlungsunfähig und treibt ihn schließlich in den Wahnsinn. Er ist gewissenhaft und fromm, aber auch unterwürfig und von seinen sexuellen Trieben überwältigt.
Prüfungstipp: Diese Gegensätze zwischen Körper/Geist und Außen-/Innenwelt sind zentral für das Verständnis der Novelle!