Textinterpretation: Der Tod und die Gefühlsverdrängung
In dem analysierten Ausschnitt aus "Räuberhände" befinden sich Janik und Samuel in Istanbul, kurz nach dem Tod von Irene. Die Szene zeigt, wie unterschiedlich beide mit Trauer umgehen. Samuel versucht durch einen türkischen Film seinem Vater näherzukommen, was seine Identitätssuche verdeutlicht. Er "krümmt sich vor Lachen" (Z.1), eine Metapher, die seine Reaktion lebendig darstellt.
Die Beziehung zwischen Samuel und Janik wird durch ihre verschiedenen Reaktionen auf den Tod sichtbar. Samuel verdrängt seine Gefühle, geht spazieren und antwortet nur mit einem stumpfen "okay" (Z.24-31). Er weint nicht und möchte nicht darüber sprechen. Janik hingegen philosophiert offen: "Vielleicht müssen Eltern [...] einfach sterben, wenn es losgeht. Eltern sollten sterben, wenn man erwachsen wird" (Z.31-35).
Die Erzählung aus Janiks Ich-Perspektive enthält wichtige Stilmittel wie Alliterationen ("schnarchigen Schlaks") und Anaphern ("Immerhin, könnte man sagen."). Zwei zentrale Wortfelder sind "Verdrängen" und "Tod", die durch Begriffe wie "nicht geweint", "spazieren" bzw. "sterben", "vergraben", "zerfetzt" ausgedrückt werden.
Wichtig für die Klausur: Achte besonders auf die Charakterisierung Janiks und Samuels durch ihre unterschiedlichen Umgangsweisen mit dem Tod. Samuel verdrängt, während Janik reflektiert - trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet sie der Schmerz über Irenes Tod.