Vergleich der Aktanfänge in "Die Physiker"
Der erste und zweite Akt von Dürrenmatts "Die Physiker" weisen sowohl Gemeinsamkeiten als auch signifikante Unterschiede auf, die die Entwicklung der Handlung und der Charaktere verdeutlichen.
Gemeinsamkeiten:
- Beide Akte beginnen mit kurzen Redebeiträgen.
- In beiden Fällen steht die Ermordung einer Krankenschwester im Mittelpunkt.
- Die Handlung spielt im gleichen Raum des Sanatoriums.
Unterschiede:
- Im zweiten Akt tritt der Inspektor deutlich freundlicher auf.
- Die Chefärztin, Dr. von Zahnd, zeigt sich im zweiten Akt sehr kooperativ.
- Dem Inspektor werden im zweiten Akt Alkohol und Zigarre angeboten, was auf eine entspanntere Atmosphäre hindeutet.
Highlight: Die Rollenumkehrung zwischen den Akten ist besonders auffällig. Während Dr. von Zahnd im zweiten Akt nervös erscheint und schwitzt, zeigt der Inspektor nun Gelassenheit.
Veränderung der Haltung des Inspektors:
- Im ersten Akt fordert der Inspektor noch vehement, den Mörder zu sprechen und zu bestrafen.
- Im zweiten Akt wirkt er desinteressiert und nimmt den Mörder sogar in Schutz.
- Diese Veränderung wird durch den Satz "die Gerechtigkeit macht Ferien" (S.60, Z.29) unterstrichen.
Quote: "Die Gerechtigkeit macht Ferien" - Diese Aussage verdeutlicht die veränderte Einstellung des Inspektors im zweiten Akt.
Wissenschaft und Verantwortung:
Der zentrale Konflikt des Stücks wird durch die unterschiedlichen Haltungen der Physiker deutlich:
- Die Agenten Newton (Kilton) und Einstein (Eisler) streben danach, Möbius' Forschungsergebnisse zu veröffentlichen.
- Möbius hingegen lehnt eine Publikation aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Menschheit ab.
Definition: Verantwortungsbewusstsein in der Wissenschaft bedeutet hier, die möglichen Konsequenzen der eigenen Forschung für die Menschheit zu bedenken und ethisch zu handeln.
Diese Gegenüberstellung der Aktanfänge und der zentralen Thematik verdeutlicht die komplexe Struktur von Dürrenmatts Werk und lädt zu einer tieferen Analyse der Verantwortung der Wissenschaft ein.