Im "Dritten Reich" reagierten die Menschen ganz unterschiedlich auf die...
Nationalsozialismus: Widerstand und Unterstützung







Widerstand und Anpassung - Die verschiedenen Stufen
Widerstand gegen die Nazis war alles andere als eindeutig definiert. Es gab ein ganzes Stufenmodell nach Peukert - von privater Kritik bis hin zu organisierten Umsturzversuchen.
Widerstand im engeren Sinn bedeutete lebensgefährliche, organisierte Aktionen gegen das NS-Regime. Das wagten nur sehr wenige Menschen in Deutschland. Widerstand im weiteren Sinn umfasste alle Haltungen, die von den geforderten NS-Normen abwichen - das war schon weiter verbreitet.
Die meisten Menschen zeigten eher "Dissens" oder "Verweigerung" - also passive Gegnerschaft, die sich höchstens in spontaner Kritik äußerte. Schon das konnte gefährlich werden: Seit März 1933 bestrafte die "Heimtücke-Verordnung" jede Kritik am NS-Staat mit Gefängnis.
Wichtig zu wissen: Die allermeisten Deutschen unterstützten das Regime aktiv oder passten sich aus Angst an - echte Widerstandskämpfer waren eine winzige Minderheit.

Warum unterstützten so viele Deutsche Hitler?
Von 1933 bis 1939 wuchs die Zustimmung zum NS-Regime massiv an - Historiker sprechen von einer "populären Zustimmungsdiktatur". Die Gründe dafür waren vielfältig und zeigen, warum so wenige Widerstand leisteten.
Der wirtschaftliche Aufschwung und Hitlers außenpolitische Erfolge (wie die Revision des Versailler Vertrags) begeisterten viele Deutsche. Dazu kam die "Arisierung" - viele profitierten direkt von der Entrechtung jüdischer Bürger.
Besonders gefährlich war der weit verbreitete Antisemitismus in der Bevölkerung. Die meisten tolerierten die Judenverfolgung stillschweigend, auch wenn sie brutale Ausschreitungen manchmal missbilligten. Der übersteigerte Nationalismus aus dem 19. Jahrhundert und der Glaube an Hitlers charismatische Führung verstärkten diese Entwicklung.
Wendepunkt: Mit Kriegsausbruch 1939 und der Kriegswende 1941/42 sank die Popularität des Regimes, aber Widerstand blieb weiterhin extrem gefährlich.

Die Motive der Widerstandskämpfer
Wer sich doch gegen das NS-Regime stellte, hatte ganz unterschiedliche Beweggründe. Diese Vielfalt erklärt auch, warum die Widerstandsgruppen meist isoliert voneinander agierten.
Moralische Bedenken trieben vor allem Christen zum Widerstand - sie sahen einen unüberbrückbaren Widerspruch zwischen ihren ethischen Grundnormen und der NS-Ideologie. Kommunisten und Sozialdemokraten lehnten Hitlers nationalistisches Konzept ab, weil es ihren Vorstellungen von Sozialismus und Klassenkampf widersprach.
Liberale protestierten gegen die Missachtung von Grund- und Menschenrechten, während Konservative den Missbrauch traditioneller Werte wie Ehre und Vaterland anprangerten. Militärs begannen erst zu handeln, als eine Kriegsniederlage drohte.
Die meisten Widerstandsaktionen waren Einzelaktionen ohne Verbindungen untereinander - zu groß war das Risiko des Verrats, zu unterschiedlich die Motivationen.
Realität des Widerstands: Die verschiedenen Gruppen kämpften meist nebeneinander her, nicht miteinander - das schwächte ihre Wirkung erheblich.

Kirchlicher Widerstand - Zwischen Anpassung und Protest
Die Amtskirchen leisteten als Ganzes keinen politischen Widerstand. Die evangelische Kirche wurde "gleichgeschaltet", die katholische durch das Konkordat von 1933 politisch ruhiggestellt.
Trotzdem protestierten einzelne Katholiken: 1937 verurteilte Papst Pius XI. die NS-Ideologie, 1941 prangerte Graf von Galen öffentlich die Ermordung behinderter Menschen an - möglicherweise ein Grund für die Einstellung des "Euthanasie"-Programms.
Bei den Protestanten formierte sich mehr organiserter Widerstand: Ein Drittel der evangelischen Pfarrer schloss sich 1933 im "Pfarrernotbund" zusammen. 1934 entstand daraus die "Bekennende Kirche" mit der berühmten "Barmer Theologischen Erklärung" gegen den Totalitätsanspruch des NS-Staats.
Einzelne Christen gingen noch weiter: Der Theologe Dietrich Bonhoeffer beteiligte sich aktiv an Widerstandsgruppen und wurde 1945 hingerichtet.
Traurige Wahrheit: Obwohl einzelne Christen mutig protestierten, gab es von den Amtskirchen keinen öffentlichen Protest gegen die Judenverfolgung.

Jugendopposition - Rebellion gegen den totalen Staat
Viele Jugendliche wollten einfach nur der totalen Kontrolle des NS-Regimes entkommen. Sie gründeten oppositionelle Gruppen, ohne dabei ein politisches Programm zu verfolgen - trotzdem wurden sie von der Gestapo brutal verfolgt.
Die "Edelweißpiraten" kamen hauptsächlich aus dem Arbeitermilieu im Rhein-Ruhr-Gebiet. Sie lehnten den Zwangscharakter und Drill der Hitlerjugend ab und schufen sich mit eigener Kluft und unabhängigen Treffen einen Freiraum.
Die "Swing-Jugend" stammte aus Mittelstand und gehobenem Bürgertum, vor allem in Hamburg. Sie etablierte eine Gegenkultur zur Hitlerjugend durch amerikanisierten Lebensstil, Swingmusik und englische Mode.
Die "Weiße Rose" um die Geschwister Scholl ging weiter: Diese Münchner Studenten verteilten Flugblätter gegen das Regime und bezahlten ihren Mut 1943 mit dem Leben.
Jugendlicher Mut: Auch wenn sie oft "nur" ihre Freiheit suchten, zeigten diese jungen Menschen, dass totale Kontrolle niemals vollständig gelingt.

Der 20. Juli 1944 - Der gescheiterte Umsturz
Der bekannteste Widerstandsversuch war das Attentat vom 20. Juli 1944 durch Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Zusammen mit anderen Offizieren plante er nicht nur Hitlers Ermordung, sondern auch den kompletten politischen Umsturz durch die "Operation Walküre".
Der Bombenanschlag im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" scheiterte - Hitler überlebte schwer verletzt. Die Verschwörer wurden noch in derselben Nacht verhaftet und erschossen. Eine beispiellose Verhaftungswelle folgte.
Dieser Umsturzversuch zeigt sowohl den Mut einzelner als auch die Grenzen des Widerstands: Selbst gut organisierte Gruppen mit Zugang zu den Machtzentren konnten das Regime nicht stürzen.
Das Scheitern des 20. Juli machte deutlich, wie fest das NS-System in der Gesellschaft verwurzelt war und wie schwer es für Widerstandskämpfer war, breite Unterstützung zu finden.
Historische Bedeutung: Obwohl gescheitert, wurde der 20. Juli zum Symbol dafür, dass es auch im "Dritten Reich" Deutsche gab, die bereit waren, ihr Leben für ihre Überzeugungen zu opfern.
Wir dachten schon, du fragst nie...
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