Von der Kulturnation zur politischen Bewegung
Das kulturelle Nationalbewusstsein entstand zunächst in der städtischen Bildungselite um 1800. Diese frühe Form des deutschen Nationalgefühls definierte sich über gemeinsame Sprache, Geschichte und Abstammung – eine sogenannte Kulturnation.
Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) und den Befreiungskriegen gegen Napoleon gewann die nationale Identität an Bedeutung. Die Franzosen wirkten dabei ironischerweise als Katalysator: Ihre Revolution inspirierte freiheitliche Ideen, während ihre Besatzung den Widerstand und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkte.
Nach dem Wiener Kongress (1815) und der Gründung des Deutschen Bundes begann sich ein romantisch geprägter Nationalismus zu entwickeln. Organisationen wie die Deutsche Burschenschaft (1815) forderten zunehmend nicht nur kulturelle, sondern auch politische Einheit. Das Wartburgfest (1817) markierte einen wichtigen Meilenstein, bei dem die Studenten nationale Einheit und Freiheit forderten.
Merke: Die staatliche Reaktion auf die wachsende Nationalbewegung war Repression! Mit den Karlsbader Beschlüssen (1819) wurden Zensur eingeführt, Burschenschaften verboten und Universitäten überwacht – doch die Bewegung ließ sich nicht mehr aufhalten.
Nach der Julirevolution (1830) und dem Hambacher Fest (1832) wurden die Forderungen nach nationaler Einheit, Pressefreiheit und teils auch demokratischen Strukturen immer lauter. Die Nationalbewegung war nun ein politischer Faktor geworden.



