Deutsch /

Effi Briest - Analyse Chinesenspuk & Innstettens Verhalten

Effi Briest - Analyse Chinesenspuk & Innstettens Verhalten

 Analyse Effi Briest: Chinesenspuk und Innstettens Verhalten
Der Roman ,,Effi Briest" von Theodor Fontane, erschienen im Jahre 1896, handelt

Effi Briest - Analyse Chinesenspuk & Innstettens Verhalten

user profile picture

Maja

86 Followers

Teilen

Speichern

26

 

11/12/13

Ausarbeitung

Analyse zu Fontanes "Effi Briest" in Bezug auf die Thematik des Chinesenspuks und Innstettens Verhalten

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Analyse Effi Briest: Chinesenspuk und Innstettens Verhalten Der Roman ,,Effi Briest" von Theodor Fontane, erschienen im Jahre 1896, handelt von der gleichnamigen Protagonistin Effi, welche als 17-Jährige mit dem Landrat Baron von Innstetten aus Kessin in Hinterpommern verheiratet wird. Nach einem Umzug nach Kessin und einkehrendem Alltag kehrt bei Effi auch Enttäuschung und Unzufriedenheit durch ihre Einsamkeit und wenig Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann ein. Sie betrügt Innstetten mit Major Crampas. Erst sechs Jahre später nach einem Umzug der Familie nach Berlin deckt Innstetten Effis Ehebruch auf, während sie auf einer Kur ist. Innstetten verteidigt seine Ehre in einem Duell mit Crampas, wobei er diesen erschießt. Effi wird ausgestoßen und gesellschaftlich geächtet. Als sich Effis Zustand nach Jahren der Einsamkeit immer weiter verschlechtert, ist ihr die Rückkehr in ihr Elternhaus erlaubt, wo sie schlussendlich verstirbt. Das Werk kann zeitgeschichtlich durch seine Entstehung der Epoche des Realismus zugeordnet werden. Einige epochentypische Merkmale, wie die realistische Darstellung einer einzelnen Person und ihrem Leben, sowie indirekte Kritik der gesellschaftlichen Anforderungen und danach ausgerichtetem Handeln, können gefunden werden. Im Laufe des Romans nutzt Innstetten die Angst Effis vor dem Spuk eines Chinesen in dem Haus in Kessin wie ein Spiel als Erziehungsmethode, um einerseits ihr unreifes Verhalten zu unterbinden und um sie unter Kontrolle zu halten. Der Chinesenspuk wird zu Beginn des...

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Alternativer Bildtext:

Romans bei der Ankunft Effis und Innstettens in Kessin nach ihrer Hochzeit und den Flitterwochen eingeführt. Innstettens Erzählung von dem nun verstorbenen Bewohner löst sowohl Interesse als auch Furcht bei der neugierigen Effi aus. ,,Wenn du nicht furchtsam bist, will ich dir bei Gelegenheit mal sein Grab zeigen [...]“, (S. 49 Z. 7ff.) so Innstetten und spielt hier schon mit Effis Furcht und lockt sie durch Neugierde. Etwa einen Monat später ist Effi das erste Mal allein nachts im Haus ohne Innstetten und hat durch ihre Einsamkeit und Angst nachts eine Erscheinung vom Chinesen (vgl. Kapitel 9). Bei seiner Rückkehr bekommt Innstetten von diesem Spuk mit und spricht mit seiner Frau. Dabei zeigt er kein Einfühlungsvermögen und nimmt Effis Ängste nicht ernst. Chinese willst du sagen. Du siehst, Effi, man kann das schreckliche Wort aussprechen, ohne dass er erscheint“ (S. 87 Z. 18f.), sagt Innstetten und es scheint so als ob er sich fast schon lächerlich über Effis Ängste machen würde, um ihr so ihr kindliches Verhalten vor Augen zu führen. Effi bittet darum umzuziehen, doch dies lehnt der Landrat strikt ab: „Ich kann hier in der Stadt die Leute nicht sagen lassen, Landrat Innstetten verkauft sein, weil seine Frau den aufgeklebten kleinen Chinesen als Spuk an ihrem Bett gesehen hat." (S. 88 Z. 5ff.). Es wird deutlich, dass Innstetten die gesellschaftlichen Erwartungen und Meinungen der Menschen äußerst wichtig sind und so sein Ansehen auch über die Gefühle und Ängste Effis stellt, ohne zu zögern. Ebenso stellt er damit auch klar, dass er von Effi ebenfalls erwartet sich an diese Anforderungen anzupassen. Außerdem stellt er einen Spuk im eigenen Haus als ein Vorzug und adliges Privileg dar, um ihr so ihre gemeinsame Stellung und Bedeutung in der Gesellschaft zu verdeutlichen und Effi bei sich zu behalten (vgl. S. 88 Z. 21ff.). Es wirkt an dieser Stelle auch, als wäre Innstetten diese Spukgeschichte wichtig, da er dieser generell eine große Bedeutung zu schreibt. Bei einer späteren Kutschfahrt entscheidet Innstetten bei dem Grab des Chinesen vorbeizufahren und leitet Effi so wieder auf dieses Thema, in dem er erneut mit ihrer Furcht und Neugierde lockt (vgl. S. 92 Z. 24ff.). „Erzähl mir das Wirkliche. Die Wirklichkeit kann mich nicht so quälen wie meine Phantasie" (S. 92 Z. 34f.), bittet Effi. Effis Vermischen der Wirklichkeit und Fantasie weiß Innstetten auszunutzen und kann an dieser Stelle durch seine 99... folgenden Erzählungen Effi erneut beeinflussen und kontrollieren. Dabei nutzt er bewusst eine Präteritio: „Bravo, Effi. Ich wollte nicht davon sprechen. Aber nun macht es sich von selbst, und das ist gut." (S. 93 Z. 1f.). „Ach Geert, wie reizend ist das alles und welch Alltagsleben habe ich doch geführt in Hohen-Cremmen! Nie was Apartes" (S. 96 Z. 6ff.), meint Effi nach Innstettens weiteren Erzählungen über den Chinesen und Kessin. „Aber hüte dich vor dem Aparten oder was man das Aparte nennt. Was dir so verlockend erscheint […], das bezahlt man in der Regel mit seinem Glück. Ich weiß wohl, wie sehr du dein Hohen-Cremmen liebst und daran hängst, aber du spottest doch auch oft darüber und hast keine Ahnung davon, was stille Tage, wie die Hohen-Cremmner, bedeuten“ (S. 96 Z. 11ff.), erwidert Innstetten daraufhin. An dieser Textstelle lassen sich viele seiner Verhaltensmuster erkennen. Zum einen warnt er Effi, dass von ihr erwähnte „Aparte“ anzustreben. Damit macht er ihr klar, dass sie sich nach den gesellschaftlichen Normen verhalten soll und ihrer Rolle entsprechend sich zu verhalten hat. Daran lässt sich der erziehende Charakter Innstettens erkennen, da er versucht Effi im Zaum zu halten und ihr die Grenzen ihres Handelns aufzuzeigen. Außerdem erinnert er Effi an die schlechten Dinge ihrer Heimat, um so möglichst den ständigen Vergleich ihres Kindheitsleben in Hohen-Cremmen mit ihrem Eheleben zu beenden und fordert sie so auf ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. So wird in dieser Szene Innstettens Position als übergeordneter Partner als Ehemann in ihrer Beziehung deutlich. Dabei stellt er einen Beschützer dar, von dem Effi abhängig ist. Durch diese unbalancierte Beziehung kann Innstetten Kontrolle über Effi behalten und sie in seinem Sinne beeinflussen. Auch zu einem deutlich späteren Zeitpunkt nach dem Umzug der Familie nach Berlin bringt Innstetten erneut die Rede über den Chinesenspuk auf. „Hat dir denn Johanna schon ihren Chinesen gezeigt?“ (S. 233 Z. 6f.), fragt er seine Frau. Im Anschluss stellt er Effis Furcht erneut als lächerlich dar. Schließlich meint er, sie könne tun was sie will, sie solle es nur niemanden sagen (vgl. S. 233 Z. 23). Es zeigt sich erneut, dass er nicht möchte, dass Effi anderen von dem Chinesenspuk und ihren Ängsten erzählt, da dies nicht gesellschaftskonform ist. Durch seine Dominanz kann er Kontrolle über Effi ausüben und ihr Verhalten in seinem Sinne steuern. Innstetten ist sein Leben gemäß den gesellschaftlichen Kriterien äußerst wichtig und dies will er auch so behalten inklusive Effi an seiner Seite. Dazu gehört auch Effis Rolle als normale Ehefrau und Mutter, wodurch er dementsprechend nicht möchte, dass sie in der Berliner Gesellschaft außerhalb der gesellschaftlichen Erwartungen auffällt. Im Verlaufe des Romans bleibt die Frage, ob Innstetten selbst an den Chinesenspuk glaubt oder nicht offen. An keiner Stelle wird klar, dass der Landrat nicht an diese Dinge glaubt. Bei einem Gespräch zwischen Effi und Crampas kommt das Thema der Spukgeschichten während Innstettens und Crampas gemeinsamer Zeit im Militär auf. ,,Ein Geisterseher! Das will ich nicht gerade sagen. Aber er hatte eine Vorliebe, uns Spukgeschichten zu erzählen“ (S. 146 Z. 27f.), so Crampas zu Effi. Crampas stellt fest, dass Innstetten ein großes Interesse in Spukgeschichten gefunden hat und sie gerne erzählt, um sich so in der Normalität der Gesellschaft als Alltagsmensch trotzdem interessant zu machen (vgl. S. 147 Z. 1ff.). So bleibt es offen, ob Innstetten vielleicht sogar selbst an den Spuk und Übernatürliches glaubt, dies nur nicht Preis gibt und Effi immer zurechtweist, um so trotzdem den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Bevor sich die Wege Crampas und Effis in dieser Szene trennen, deutet er abschließend darauf hin, dass Innstetten den Chinesenspuk vielleicht bewusst verwendet, um Effi an ihn zu binden, zu kontrollieren und zu erziehen. So mag er vielleicht zu verhoffen, dass Effi während seiner Abwesenheit beschäftigt ist und sich nicht gemäß ihrer Abenteuerlust und Neugierde verhält und somit weiter in die Rolle der gesellschaftlichen Erwartungen gedrängt wird. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass Innstetten tatsächlich den Chinesenspuk nutzt, um Effi in gewisser Weise zu erziehen und ihr ihr kindliches Verhalten vor Augen zu führen. So will er Effi damit in ihre neue gesellschaftliche Rolle als Ehefrau und Mutter drängen. Durch das Spiel mit ihren Ängsten kann er seine Frau an sich binden und trotz seiner eher abweisenden und wenig einfühlenden Art und Weise als Beschützer darstellen, da Effi auch nicht viel mehr Bezugspersonen hat. Ebenso wird an dieser Stelle die Bedeutung der gesellschaftlichen Erwartungen für Innstetten klar und sein Interesse in ein geregeltes und normales Leben nach den Normen. Indem Innstetten so mit Effi spielt kann er zunehmend Kontrolle und Dominanz ausüben und Effi an sich binden. So versucht er zu garantieren, dass er Effi und die vollständige Kontrolle behält. Dies könnte auf eine Angst vor Kontrollverlust und Trennung hindeuten, welche dementsprechend außerhalb der gesellschaftlichen Erwartungen liegen. Mit einem Blick auf den weiteren Verlauf des Romans lässt sich jedoch feststellen, dass Innstettens Verhalten zu einer immer größer werdenden Distanz zwischen dem Ehepaar führt. So fühlt sich Effi eingesperrt und einsam durch die geringe Aufmerksamkeit durch Innstetten und wenig Beschäftigung in Kessin. So kann dies als einer der Gründe für Effis folgenden Ehebruch und Fremdgehen mit Major Crampas genannt werden, da es einer der Auslöser für Effis Abkehr war.

Deutsch /

Effi Briest - Analyse Chinesenspuk & Innstettens Verhalten

user profile picture

Maja  

Follow

86 Followers

 Analyse Effi Briest: Chinesenspuk und Innstettens Verhalten
Der Roman ,,Effi Briest" von Theodor Fontane, erschienen im Jahre 1896, handelt

App öffnen

Analyse zu Fontanes "Effi Briest" in Bezug auf die Thematik des Chinesenspuks und Innstettens Verhalten

Ähnliche Knows

user profile picture

Effi Briest

Know Effi Briest thumbnail

10

 

13

user profile picture

9

Effi Briest - Kapitelzusammenfassung

Know Effi Briest - Kapitelzusammenfassung thumbnail

3

 

11/10

L

Effi Briest Lernzettel

Know Effi Briest Lernzettel thumbnail

183

 

11/12/13

user profile picture

Effi Briest Figuren

Know Effi Briest Figuren thumbnail

53

 

11/12/13

Analyse Effi Briest: Chinesenspuk und Innstettens Verhalten Der Roman ,,Effi Briest" von Theodor Fontane, erschienen im Jahre 1896, handelt von der gleichnamigen Protagonistin Effi, welche als 17-Jährige mit dem Landrat Baron von Innstetten aus Kessin in Hinterpommern verheiratet wird. Nach einem Umzug nach Kessin und einkehrendem Alltag kehrt bei Effi auch Enttäuschung und Unzufriedenheit durch ihre Einsamkeit und wenig Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann ein. Sie betrügt Innstetten mit Major Crampas. Erst sechs Jahre später nach einem Umzug der Familie nach Berlin deckt Innstetten Effis Ehebruch auf, während sie auf einer Kur ist. Innstetten verteidigt seine Ehre in einem Duell mit Crampas, wobei er diesen erschießt. Effi wird ausgestoßen und gesellschaftlich geächtet. Als sich Effis Zustand nach Jahren der Einsamkeit immer weiter verschlechtert, ist ihr die Rückkehr in ihr Elternhaus erlaubt, wo sie schlussendlich verstirbt. Das Werk kann zeitgeschichtlich durch seine Entstehung der Epoche des Realismus zugeordnet werden. Einige epochentypische Merkmale, wie die realistische Darstellung einer einzelnen Person und ihrem Leben, sowie indirekte Kritik der gesellschaftlichen Anforderungen und danach ausgerichtetem Handeln, können gefunden werden. Im Laufe des Romans nutzt Innstetten die Angst Effis vor dem Spuk eines Chinesen in dem Haus in Kessin wie ein Spiel als Erziehungsmethode, um einerseits ihr unreifes Verhalten zu unterbinden und um sie unter Kontrolle zu halten. Der Chinesenspuk wird zu Beginn des...

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Knowunity

Schule. Endlich einfach.

App öffnen

Alternativer Bildtext:

Romans bei der Ankunft Effis und Innstettens in Kessin nach ihrer Hochzeit und den Flitterwochen eingeführt. Innstettens Erzählung von dem nun verstorbenen Bewohner löst sowohl Interesse als auch Furcht bei der neugierigen Effi aus. ,,Wenn du nicht furchtsam bist, will ich dir bei Gelegenheit mal sein Grab zeigen [...]“, (S. 49 Z. 7ff.) so Innstetten und spielt hier schon mit Effis Furcht und lockt sie durch Neugierde. Etwa einen Monat später ist Effi das erste Mal allein nachts im Haus ohne Innstetten und hat durch ihre Einsamkeit und Angst nachts eine Erscheinung vom Chinesen (vgl. Kapitel 9). Bei seiner Rückkehr bekommt Innstetten von diesem Spuk mit und spricht mit seiner Frau. Dabei zeigt er kein Einfühlungsvermögen und nimmt Effis Ängste nicht ernst. Chinese willst du sagen. Du siehst, Effi, man kann das schreckliche Wort aussprechen, ohne dass er erscheint“ (S. 87 Z. 18f.), sagt Innstetten und es scheint so als ob er sich fast schon lächerlich über Effis Ängste machen würde, um ihr so ihr kindliches Verhalten vor Augen zu führen. Effi bittet darum umzuziehen, doch dies lehnt der Landrat strikt ab: „Ich kann hier in der Stadt die Leute nicht sagen lassen, Landrat Innstetten verkauft sein, weil seine Frau den aufgeklebten kleinen Chinesen als Spuk an ihrem Bett gesehen hat." (S. 88 Z. 5ff.). Es wird deutlich, dass Innstetten die gesellschaftlichen Erwartungen und Meinungen der Menschen äußerst wichtig sind und so sein Ansehen auch über die Gefühle und Ängste Effis stellt, ohne zu zögern. Ebenso stellt er damit auch klar, dass er von Effi ebenfalls erwartet sich an diese Anforderungen anzupassen. Außerdem stellt er einen Spuk im eigenen Haus als ein Vorzug und adliges Privileg dar, um ihr so ihre gemeinsame Stellung und Bedeutung in der Gesellschaft zu verdeutlichen und Effi bei sich zu behalten (vgl. S. 88 Z. 21ff.). Es wirkt an dieser Stelle auch, als wäre Innstetten diese Spukgeschichte wichtig, da er dieser generell eine große Bedeutung zu schreibt. Bei einer späteren Kutschfahrt entscheidet Innstetten bei dem Grab des Chinesen vorbeizufahren und leitet Effi so wieder auf dieses Thema, in dem er erneut mit ihrer Furcht und Neugierde lockt (vgl. S. 92 Z. 24ff.). „Erzähl mir das Wirkliche. Die Wirklichkeit kann mich nicht so quälen wie meine Phantasie" (S. 92 Z. 34f.), bittet Effi. Effis Vermischen der Wirklichkeit und Fantasie weiß Innstetten auszunutzen und kann an dieser Stelle durch seine 99... folgenden Erzählungen Effi erneut beeinflussen und kontrollieren. Dabei nutzt er bewusst eine Präteritio: „Bravo, Effi. Ich wollte nicht davon sprechen. Aber nun macht es sich von selbst, und das ist gut." (S. 93 Z. 1f.). „Ach Geert, wie reizend ist das alles und welch Alltagsleben habe ich doch geführt in Hohen-Cremmen! Nie was Apartes" (S. 96 Z. 6ff.), meint Effi nach Innstettens weiteren Erzählungen über den Chinesen und Kessin. „Aber hüte dich vor dem Aparten oder was man das Aparte nennt. Was dir so verlockend erscheint […], das bezahlt man in der Regel mit seinem Glück. Ich weiß wohl, wie sehr du dein Hohen-Cremmen liebst und daran hängst, aber du spottest doch auch oft darüber und hast keine Ahnung davon, was stille Tage, wie die Hohen-Cremmner, bedeuten“ (S. 96 Z. 11ff.), erwidert Innstetten daraufhin. An dieser Textstelle lassen sich viele seiner Verhaltensmuster erkennen. Zum einen warnt er Effi, dass von ihr erwähnte „Aparte“ anzustreben. Damit macht er ihr klar, dass sie sich nach den gesellschaftlichen Normen verhalten soll und ihrer Rolle entsprechend sich zu verhalten hat. Daran lässt sich der erziehende Charakter Innstettens erkennen, da er versucht Effi im Zaum zu halten und ihr die Grenzen ihres Handelns aufzuzeigen. Außerdem erinnert er Effi an die schlechten Dinge ihrer Heimat, um so möglichst den ständigen Vergleich ihres Kindheitsleben in Hohen-Cremmen mit ihrem Eheleben zu beenden und fordert sie so auf ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. So wird in dieser Szene Innstettens Position als übergeordneter Partner als Ehemann in ihrer Beziehung deutlich. Dabei stellt er einen Beschützer dar, von dem Effi abhängig ist. Durch diese unbalancierte Beziehung kann Innstetten Kontrolle über Effi behalten und sie in seinem Sinne beeinflussen. Auch zu einem deutlich späteren Zeitpunkt nach dem Umzug der Familie nach Berlin bringt Innstetten erneut die Rede über den Chinesenspuk auf. „Hat dir denn Johanna schon ihren Chinesen gezeigt?“ (S. 233 Z. 6f.), fragt er seine Frau. Im Anschluss stellt er Effis Furcht erneut als lächerlich dar. Schließlich meint er, sie könne tun was sie will, sie solle es nur niemanden sagen (vgl. S. 233 Z. 23). Es zeigt sich erneut, dass er nicht möchte, dass Effi anderen von dem Chinesenspuk und ihren Ängsten erzählt, da dies nicht gesellschaftskonform ist. Durch seine Dominanz kann er Kontrolle über Effi ausüben und ihr Verhalten in seinem Sinne steuern. Innstetten ist sein Leben gemäß den gesellschaftlichen Kriterien äußerst wichtig und dies will er auch so behalten inklusive Effi an seiner Seite. Dazu gehört auch Effis Rolle als normale Ehefrau und Mutter, wodurch er dementsprechend nicht möchte, dass sie in der Berliner Gesellschaft außerhalb der gesellschaftlichen Erwartungen auffällt. Im Verlaufe des Romans bleibt die Frage, ob Innstetten selbst an den Chinesenspuk glaubt oder nicht offen. An keiner Stelle wird klar, dass der Landrat nicht an diese Dinge glaubt. Bei einem Gespräch zwischen Effi und Crampas kommt das Thema der Spukgeschichten während Innstettens und Crampas gemeinsamer Zeit im Militär auf. ,,Ein Geisterseher! Das will ich nicht gerade sagen. Aber er hatte eine Vorliebe, uns Spukgeschichten zu erzählen“ (S. 146 Z. 27f.), so Crampas zu Effi. Crampas stellt fest, dass Innstetten ein großes Interesse in Spukgeschichten gefunden hat und sie gerne erzählt, um sich so in der Normalität der Gesellschaft als Alltagsmensch trotzdem interessant zu machen (vgl. S. 147 Z. 1ff.). So bleibt es offen, ob Innstetten vielleicht sogar selbst an den Spuk und Übernatürliches glaubt, dies nur nicht Preis gibt und Effi immer zurechtweist, um so trotzdem den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Bevor sich die Wege Crampas und Effis in dieser Szene trennen, deutet er abschließend darauf hin, dass Innstetten den Chinesenspuk vielleicht bewusst verwendet, um Effi an ihn zu binden, zu kontrollieren und zu erziehen. So mag er vielleicht zu verhoffen, dass Effi während seiner Abwesenheit beschäftigt ist und sich nicht gemäß ihrer Abenteuerlust und Neugierde verhält und somit weiter in die Rolle der gesellschaftlichen Erwartungen gedrängt wird. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass Innstetten tatsächlich den Chinesenspuk nutzt, um Effi in gewisser Weise zu erziehen und ihr ihr kindliches Verhalten vor Augen zu führen. So will er Effi damit in ihre neue gesellschaftliche Rolle als Ehefrau und Mutter drängen. Durch das Spiel mit ihren Ängsten kann er seine Frau an sich binden und trotz seiner eher abweisenden und wenig einfühlenden Art und Weise als Beschützer darstellen, da Effi auch nicht viel mehr Bezugspersonen hat. Ebenso wird an dieser Stelle die Bedeutung der gesellschaftlichen Erwartungen für Innstetten klar und sein Interesse in ein geregeltes und normales Leben nach den Normen. Indem Innstetten so mit Effi spielt kann er zunehmend Kontrolle und Dominanz ausüben und Effi an sich binden. So versucht er zu garantieren, dass er Effi und die vollständige Kontrolle behält. Dies könnte auf eine Angst vor Kontrollverlust und Trennung hindeuten, welche dementsprechend außerhalb der gesellschaftlichen Erwartungen liegen. Mit einem Blick auf den weiteren Verlauf des Romans lässt sich jedoch feststellen, dass Innstettens Verhalten zu einer immer größer werdenden Distanz zwischen dem Ehepaar führt. So fühlt sich Effi eingesperrt und einsam durch die geringe Aufmerksamkeit durch Innstetten und wenig Beschäftigung in Kessin. So kann dies als einer der Gründe für Effis folgenden Ehebruch und Fremdgehen mit Major Crampas genannt werden, da es einer der Auslöser für Effis Abkehr war.