Kunststoffe sind überall um uns herum – von der Zahnbürste... Mehr anzeigen
Kunststoffe in der Chemie: Abitur Q4 Themen 13.2





Grundlagen und Einteilung der Kunststoffe
Kunststoffe sind künstlich hergestellte Materialien aus Makromolekülen – das sind Riesenmoleküle mit einer Masse von über 10.000 g/mol. Stell dir vor, sie bestehen aus unzähligen sich wiederholenden Bausteinen, wie eine extrem lange Perlenkette.
Die drei Haupttypen unterscheiden sich durch ihre Molekülstruktur:
- Thermoplasten haben lineare Ketten und werden beim Erhitzen weich – perfekt zum Umformen (denk an Plastikflaschen)
- Duroplasten sind engmaschig vernetzt wie ein starres Netz und bleiben immer hart (Bakelit in alten Radios)
- Elastomere haben weitmaschige Vernetzungen und sind elastisch wie Gummi
Merktipp: Thermo = Wärme → verformbar; Duro = hart → unverformbar; Elasto = elastisch → gummiartig
Je nach charakteristischen Atomgruppen entstehen verschiedene Kunststofftypen: Polyester , Polyether , Polyamide oder Polyolefine (aus Alkenen).

Herstellungsverfahren: Polymerisation und Polykondensation
Bei der Polymerisation werden ungesättigte Monomere (kleine Moleküle mit Doppelbindungen) zu langen Ketten verknüpft. Ein Initiator-Molekül startet die Kettenreaktion – wie der erste Dominostein, der alle anderen umwirft.
Die radikalische Polymerisation läuft in drei Phasen ab: Startreaktion , Kettenreaktion (Kettenwachstum) und Abbruchreaktion (Kettenende). So entstehen bekannte Kunststoffe wie Polyethen (PE), Polystyrol (PS) oder PVC.
Praxistipp: Merke dir PE, PP, PS, PVC und PMMA – diese Abkürzungen stehen oft auf Recycling-Symbolen!
Bei der Polykondensation reagieren Monomere mit mindestens zwei funktionellen Gruppen miteinander. Dabei wird immer ein kleines Molekül (meist Wasser) abgespalten – wie beim Zusammenbauen von Lego-Steinen, bei dem jedes Mal ein kleines Teil übrig bleibt.

Technische Verarbeitung und Modifikation
Thermoplastische Kunststoffe kommen als Granulat oder Pulver in die Fabrik und werden erhitzt, bis sie glasartig schmelzen. Unter hohem Druck entstehen dann durch Spritzgießen oder Blasformen die gewünschten Produkte.
Duroplaste und Elastomere bekommen ihre endgültige Form schon während der Polyreaktion. Danach ist nur noch mechanische Bearbeitung möglich – sägen, bohren, schleifen.
Ein klassisches Beispiel ist die Gummi-Herstellung: Naturkautschuk aus Latexbäumen wird gewalzt, mit Schwefel vermischt und durch Vulkanisation in das elastische Endprodukt umgewandelt.
Wusstest du: Durch Variation von Druck, Temperatur und Additiven lassen sich Kunststoffeigenschaften gezielt steuern!
Modifikationen ermöglichen maßgeschneiderte Eigenschaften: Weichmacher machen spröde Kunststoffe biegsamer, Aufschäumen macht sie leichter, und Polymerblends kombinieren die besten Eigenschaften verschiedener Kunststoffe.

Nachhaltigkeit und Recycling
Biokunststoffe sind die umweltfreundliche Alternative: Biobasierte Kunststoffe werden ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, während biologisch abbaubare Kunststoffe von Mikroorganismen zersetzt werden können.
Ein Beispiel ist Polymilchsäure (PLA) – hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen und abbaubar in leicht saurem Milieu. Stärkebasierte Kunststoffe sind ebenfalls kompostierbar unter bestimmten Bedingungen.
Das Recycling erfolgt auf drei Wegen:
- Wertstoffliches Recycling: Thermoplaste werden sortiert, gereinigt und zu neuen Produkten verarbeitet (wie das Bottle-to-Bottle-Verfahren für PET-Flaschen)
- Rohstoffliches Recycling: Zerlegung in Monomere durch Hydrolyse oder Pyrolyse
- Thermische Verwertung: Verbrennung zur Energiegewinnung
Realitätscheck: Wertstoffliches Recycling funktioniert nicht unendlich – die Materialqualität nimmt mit jeder Wiederverwertung ab!
Die thermische Verwertung macht derzeit den größten Anteil aus, belastet aber die Umwelt durch CO₂-Ausstoß und giftige Stoffe.
Wir dachten schon, du fragst nie...
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