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Charakterisierung zu Claire Zachanassian aus "Der Besuch der alten Dame"

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 Charakterisierung zu Claire Zachanassian
Das Drama "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt handelt von der alten
und sehr wohl

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Charakterisierung zu Claire Zachanassian Das Drama "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt handelt von der alten und sehr wohlhabenden Dame Claire Zachanassian, die nach vielen Jahren in ihren Heimatort zurückkehrt, um Rache an ihren ehemaligen Geliebten zu nehmen. Im Folgenden wird eine Charakterisierung zu Claire Zachanassian vorgenommen. Claire Zachanassian, geborene Klara Wäscher, ist eine ältere Dame im Alter von 62 Jahren, die in der Kleinstadt Güllen aufgewachsen ist. Mit siebzehn Jahren musste sie die Stadt im Jahre 1910 verlassen und arbeitete daraufhin zeitweilig als Prostituierte. Sie besitzt "wehende rote Haare" und weiße Haut, weswegen sie von ihrem ehemaligen Partner Alfred III als "eine verteufelt schöne Hexe" (S.18) bezeichnet wurde. Zu ihrer Jugendzeit trug sie mit ihrer gertenschlanken und zarten Figur gerne Matrosenanzüge, doch auch sie hat das Alter eingeholt. Eigenen Aussagen zufolge, sei sie alt und "fett" geworden (S.26). Ihr Kleidungsstil wurde zunehmend eleganter und ist mit viel Schmuck als Accessoires verziert. Ihr Körper besteht durch einer Reihe an Unfällen an vielen Stellen aus Prothesen, die so weit reichen, dass sie selbst behauptet, "von den Chirurgen zerfleischt worden zu sein" (S.49). Darüber hinaus friert sie mit steigendem Alter immer mehr, weswegen auch ihre Hände stets kalt sind. Zudem ist sie Raucherin und somit oftmals mit einer Zigarre vorzufinden. Es wird beschrieben, dass sie eine...

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"seltsame Grazie" hat (S.22). Sie scheut sich nicht davor, Aussagen zu treffen, die ihre Mitmenschen womöglich verletzen könnten, sondern tritt anderen Leuten mit einer erbarmungslosen Direktheit entgegen. Diese Ehrlichkeit bezieht sich jedoch nicht nur auf andere, sondern auch zu sich selbst steht sie und hat kein Problem damit, Klartext über ihre nicht sehr glamouröse Vergangenheit zu sprechen. In Ihrer Jugend führte sie mit Alfred III eine innige Liebesbeziehung. Nach deren Trennung und ihrer Flucht aus der Stadt fand sie zu ihrer Zeit als Prostituierte in einem Hamburger Bordell ihren ersten Gatten, ein Millionär, der sie in das Leben der Reichen führte. Die darauffolgenden Jahre führte sie mit etlichen neuen Gatten kurze Ehen. In einfachen Verhältnis aufgewachsen, ist Claire Zachanassian die Tochter von Gottfried Wäscher, einem "versoffenen" Architekten, und seiner Frau, die ihm “leider allzu früh entschwunden ist” (S.43). Die Familienverhältnisse waren dementsprechend schlecht, was der Grund für ihren späteren Hang zum Extravaganten sein könnte, als deutliches Zeichen, sich von dem Bild ihrer Familie gelöst zu haben und nun eine eigenständige und unabhängige Frau zu sein. Sie hat sich eindeutig an ihren Reichtum gewöhnt und eine gewisse Eitelkeit entwickelt. So besteht sie unablässig auf Sonderbehandlungen und verzichtet auf jegliche Bitten. Vielmehr verteilt sie anderen Anweisungen und behauptet von sich aus, andere diktieren zu müssen (S.79). Von Gefälligkeiten hält sie nichts - in ihrem Weltbild dreht sich alles nur um Geld. So ist sie auch der Meinung, mit Geld alles kaufen zu können (S.45). Das Geld beschafft sie sich durch Ehen mit sehr wohlhabenden Männern. Diese schließt sie dabei niemals aus Liebe, sondern aus materiellen Zwecken. Demzufolge ist eine Ehe für sie nur nützlich, wenn der Mann das nötige Budget einbringen kann (S.54). Da ihre Ehen nicht aus zwischenmenschlichen Differenzen beendet werden, zeigt das deutlich, dass ihr an ihren Männern nichts liegt. Vielmehr versucht sie, ihre Gatten auszubeuten, bis sie sich deren Vermögen selbst aneignen kann. Sie geht dabei sehr skrupellos vor und zeigt keinerlei Reue, das erschlichene Geld in großen Mengen auszugeben, während ihre Ex-Männer ihr gesamtes Vermögen an sie verloren haben. Ihren Männern, Bediensteten und Gefolgen verleiht sie ausgedachte Namen, was ihren Besitzanspruch an sie verdeutlicht. Die Zeit hat sie verbittert, sodass sie nicht mehr in der Lage zu sein scheint, Zuneigung oder Wertschätzung zu empfinden. Ihr ist bewusst, was für eine Macht sie aufgrund ihren finanziellen Mitteln besitzt. Dass sie immer nur auf einer Sänfte getragen wird, ist ebenfalls ein Machtzeichen. Es vermittelt das Bild, auf Händen getragen zu werden. Sie sagt Folgendes auf Seite 91: "Die Menschlichkeit, meine Herren, ist für die Börse der Millionäre geschaffen, mit meiner Finanzkraft leistet man sich eine Weltordnung". Diese Ansicht zeigt sich ganz eindeutig in den zuvor genannten Handlungen ihrerseits. Ergänzend lässt sich sagen, dass sie nicht nur geschickt darin ist, an Geld zu gelangen, sondern auch im Nachhinein damit umzugehen weiß. So ist sie wirtschaftlich sehr bewandert und veranlasst Aktienkäufe, was für eine Frau in diesem Zeitalter mehr als ungewöhnlich ist, in einem so Männerdominierten Fachgebiet. Mit ihrer sogenannten Finanzkraft hat sie es geschafft, sich auch in den höheren Kreisen einen Namen zu machen. Sie steht in Kontakt mit wichtigen Machtpersonen, so dem französischen Präsidenten oder Pascha von Marrakesch. Dies alles zeigt ihre Charakterstärke, denn mit Geld allein ist es nicht möglich, mit solchen Menschen auf einer Höhe zu sein. Ihre selbstbewusste Natur hat sie bereits in jungen Jahren entwickelt, als sie unter anderem Polizisten beworfen hat, die dabei waren, einen Landstreicher abzuführen (S.19). Ihre Jugendliebe Alfred III bezeichnet sie zugleich als sehr wohltätig und unentwegt um Gerechtigkeit bemüht. Bei Claires Rückkehr in Güllen zeigen sich diese Charaktereigenschaften nur noch begrenzt. Sie ist gewillt, der Stadt und den Bewohner jeweils fünfhundert Millionen zu geben. Dennoch hat sie sich in den 45 Jahren stark verändert, sodass eine reine Wohltätige Tat für sie nicht mehr in Frage kommt und ihr Geld mit einer Forderung verknüpft, was wieder ihr Handelsgeschick untermauert. Sie möchte Rache an ihre Jugendliebe Alfred nehmen, der damals bei ihrer Schwangerschaft seine Vaterschaft bestritt und durch falschen Zeugen den Prozess gewann, um somit die für sie angemessene Gerechtigkeit zu bekommen. Im Gegensatz zu ihren vergänglichen Gatten, empfand sie für Alfred wahren Gefühle. Als Nachbarskinder gingen sie zusammen zur Schule, machten Spaziergänge im Wald und erlebten ihre ersten Küssen gemeinsam (S.97). Es entwickelte sich eine tiefe Liebe - zumindest ihrerseits- und so verschenkte sie ihr Herz an ihren ehemaligen Nachbarsjungen Alfred. Als er sich von ihr trennte, brach ihr Herz, doch sein Verrat brannte sich noch weiter in ihre Seele. Bereits bei ihrer Fahrt aus der Stadt schwor sie sich, eines tages zurückzukommen und sich zu rächen. Alfred III machte aus einem lebensfrohen jungen Mädchen eine eiskalte Frau, die für jegliche neuen Gefühlsbindungen nicht mehr zugänglich ist. Die Zeit, als sie die Stadt verlassen musste und auf sich selbst gestellt war, hat sie binnen kürzester Zeit geprägt. Bereits bei der Geburt konnte sie keine Bindung zu ihrem eigenen Kind aufbauen, was sich darin zeigt, dass sie das Baby einerseits als “Ding" bezeichnet, andererseits sich an keine Details dazu erinnern kann (S.116). Der Fakt, dass dieses Kind sie unweigerlich an ihre verlorene Liebe, die sie schmerzlich verletzt hat, erinnert, wird sicherlich eine wichtige Rolle dabei spielen. In ihrem Inneren herrscht nur noch die Rachsucht, sodass ihr Vergeltung bereits lange im Voraus geplant wurde. Eine Frau, die sich so leidenschaftlich für Rechenschaft einsetzt, muss schwer verletzt worden sein. Ihre Liebe zu Alfred war so weitreichend, dass sie mit seinem Verrat nie abschließen konnte. So sagt sie auf Seite 117: "Ich liebte dich. Du hast mich verraten. Doch den Traum von Leben, von Liebe und von Vertrauen, diesen einst wirklichen Traum habe ich nicht vergessen. Ich will ihn wieder errichten mit meinen Milliarden, die Vergangenheit ändern, indem ich dich vernichte”. Ihr Vorhaben, Alfred töten zu lassen, dient lediglich dem Zweck, irgendwie den Mann wiederzubekommen, in den sie sich einst verliebt hat. Dass sie seine Trennung nie verkraften konnte, zeigt sich in vielen Ausschnitten. Beispielsweise hat sie Roby beigebracht, auf der Gitarre Alfreds Lieblingslied zu spielen. Diese Musik braucht sie in ihren besinnlichen Minuten, in denen sie wahrscheinlich an ihre Vergangenheit denken muss und sich unterbewusst nach seiner Nähe sehnt. Sie behauptet selbst, nichts vergessen haben zu können (S.49). Auch den Panther, den sie vom Pascha von Marrakesch geschenkt bekommen hat, ist ein Indiz für ihre nie vergangene Liebe. Schon als Kind war ihre Liebe zu Pflanzen und besonders zu Tieren so ausgeprägt, dass ihr Kosename “Panther” für Alfred keine Überraschung darstellt (S.26). Dass sie ein so außergewöhnliches Tier geschenkt bekommt, das auch noch den Namen wie ihre Jugendliebe besitzt, ist sicherlich kein Zufall. Sie wird dem Pascha gegenüber ihre Liebe zum Panther ausgedrückt haben, dabei aber unterschwellig Alfred gemeint haben. Des Weiteren ist sie Alfred nie wütend gegenübergetreten, sondern hat auch noch Äußerungen betätigt, froh zu sein, ihn zu sehen (S.113). Denn auch wenn er sie unbeschreiblich verletzt und verändert hat, so war ihre Liebe und der Traum einer gemeinsamen Zukunft größer als jede Feindseligkeit. Da sie ihn lebend aber nicht haben kann, beschließt sie in ihrer Verzweiflung, dass nur sein Tod beide wieder näher bringen kann. Bei dem Gespräch über seinen Verbleib nach dem Tod sagt sie, sie hätte im Park ihres Palazzos ein Mausoleum errichtet, damit er bei ihr bleiben kann (S.118). Als es dann soweit ist und Alfred III tot ist, sind ihre Worte auf Seite 131: "Er ist wieder so, wie er war, vor langer Zeit, der schwarze Panther.". Bei seinem Tod ging es um so viel mehr als Rache. In erster Linie war sie eine zutiefst verletzte Frau, die versuchte, die Vergangenheit zu ändern und zu ihrer ersten und wahren Liebe zurückzufinden. Abschließend lässt sich sagen, dass Claire Zachanassian in vielerlei Hinsicht ein sehr übertrieben dargestellten Charakter ist. Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine selbstständige Frau in der damaligen Zeit über solche Macht und finanziellen Mittel verfügen konnte. Besonders, wenn man in Betracht zieht, dass sie zeitweise als Prostituierte gearbeitet hat, aber dennoch von vielen mächtigen Menschen hoch angesehen wurde. Zudem ist es sehr fragwürdig, direkt jemanden den Tod zu wünschen, wenn man von dieser Person verletzt wurde - mochte sie einem einst noch so viel bedeutet haben. Ihre Beweggründe und Ansätze sind zwar Verständlich, aber letztendlich sehr überspitzt dargestellt. Dementsprechend wirkt sie nicht sehr authentisch. 1612 Wörter

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

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"seltsame Grazie" hat (S.22). Sie scheut sich nicht davor, Aussagen zu treffen, die ihre Mitmenschen womöglich verletzen könnten, sondern tritt anderen Leuten mit einer erbarmungslosen Direktheit entgegen. Diese Ehrlichkeit bezieht sich jedoch nicht nur auf andere, sondern auch zu sich selbst steht sie und hat kein Problem damit, Klartext über ihre nicht sehr glamouröse Vergangenheit zu sprechen. In Ihrer Jugend führte sie mit Alfred III eine innige Liebesbeziehung. Nach deren Trennung und ihrer Flucht aus der Stadt fand sie zu ihrer Zeit als Prostituierte in einem Hamburger Bordell ihren ersten Gatten, ein Millionär, der sie in das Leben der Reichen führte. Die darauffolgenden Jahre führte sie mit etlichen neuen Gatten kurze Ehen. In einfachen Verhältnis aufgewachsen, ist Claire Zachanassian die Tochter von Gottfried Wäscher, einem "versoffenen" Architekten, und seiner Frau, die ihm “leider allzu früh entschwunden ist” (S.43). Die Familienverhältnisse waren dementsprechend schlecht, was der Grund für ihren späteren Hang zum Extravaganten sein könnte, als deutliches Zeichen, sich von dem Bild ihrer Familie gelöst zu haben und nun eine eigenständige und unabhängige Frau zu sein. Sie hat sich eindeutig an ihren Reichtum gewöhnt und eine gewisse Eitelkeit entwickelt. So besteht sie unablässig auf Sonderbehandlungen und verzichtet auf jegliche Bitten. Vielmehr verteilt sie anderen Anweisungen und behauptet von sich aus, andere diktieren zu müssen (S.79). Von Gefälligkeiten hält sie nichts - in ihrem Weltbild dreht sich alles nur um Geld. So ist sie auch der Meinung, mit Geld alles kaufen zu können (S.45). Das Geld beschafft sie sich durch Ehen mit sehr wohlhabenden Männern. Diese schließt sie dabei niemals aus Liebe, sondern aus materiellen Zwecken. Demzufolge ist eine Ehe für sie nur nützlich, wenn der Mann das nötige Budget einbringen kann (S.54). Da ihre Ehen nicht aus zwischenmenschlichen Differenzen beendet werden, zeigt das deutlich, dass ihr an ihren Männern nichts liegt. Vielmehr versucht sie, ihre Gatten auszubeuten, bis sie sich deren Vermögen selbst aneignen kann. Sie geht dabei sehr skrupellos vor und zeigt keinerlei Reue, das erschlichene Geld in großen Mengen auszugeben, während ihre Ex-Männer ihr gesamtes Vermögen an sie verloren haben. Ihren Männern, Bediensteten und Gefolgen verleiht sie ausgedachte Namen, was ihren Besitzanspruch an sie verdeutlicht. Die Zeit hat sie verbittert, sodass sie nicht mehr in der Lage zu sein scheint, Zuneigung oder Wertschätzung zu empfinden. Ihr ist bewusst, was für eine Macht sie aufgrund ihren finanziellen Mitteln besitzt. Dass sie immer nur auf einer Sänfte getragen wird, ist ebenfalls ein Machtzeichen. Es vermittelt das Bild, auf Händen getragen zu werden. Sie sagt Folgendes auf Seite 91: "Die Menschlichkeit, meine Herren, ist für die Börse der Millionäre geschaffen, mit meiner Finanzkraft leistet man sich eine Weltordnung". Diese Ansicht zeigt sich ganz eindeutig in den zuvor genannten Handlungen ihrerseits. Ergänzend lässt sich sagen, dass sie nicht nur geschickt darin ist, an Geld zu gelangen, sondern auch im Nachhinein damit umzugehen weiß. So ist sie wirtschaftlich sehr bewandert und veranlasst Aktienkäufe, was für eine Frau in diesem Zeitalter mehr als ungewöhnlich ist, in einem so Männerdominierten Fachgebiet. Mit ihrer sogenannten Finanzkraft hat sie es geschafft, sich auch in den höheren Kreisen einen Namen zu machen. Sie steht in Kontakt mit wichtigen Machtpersonen, so dem französischen Präsidenten oder Pascha von Marrakesch. Dies alles zeigt ihre Charakterstärke, denn mit Geld allein ist es nicht möglich, mit solchen Menschen auf einer Höhe zu sein. Ihre selbstbewusste Natur hat sie bereits in jungen Jahren entwickelt, als sie unter anderem Polizisten beworfen hat, die dabei waren, einen Landstreicher abzuführen (S.19). Ihre Jugendliebe Alfred III bezeichnet sie zugleich als sehr wohltätig und unentwegt um Gerechtigkeit bemüht. Bei Claires Rückkehr in Güllen zeigen sich diese Charaktereigenschaften nur noch begrenzt. Sie ist gewillt, der Stadt und den Bewohner jeweils fünfhundert Millionen zu geben. Dennoch hat sie sich in den 45 Jahren stark verändert, sodass eine reine Wohltätige Tat für sie nicht mehr in Frage kommt und ihr Geld mit einer Forderung verknüpft, was wieder ihr Handelsgeschick untermauert. Sie möchte Rache an ihre Jugendliebe Alfred nehmen, der damals bei ihrer Schwangerschaft seine Vaterschaft bestritt und durch falschen Zeugen den Prozess gewann, um somit die für sie angemessene Gerechtigkeit zu bekommen. Im Gegensatz zu ihren vergänglichen Gatten, empfand sie für Alfred wahren Gefühle. Als Nachbarskinder gingen sie zusammen zur Schule, machten Spaziergänge im Wald und erlebten ihre ersten Küssen gemeinsam (S.97). Es entwickelte sich eine tiefe Liebe - zumindest ihrerseits- und so verschenkte sie ihr Herz an ihren ehemaligen Nachbarsjungen Alfred. Als er sich von ihr trennte, brach ihr Herz, doch sein Verrat brannte sich noch weiter in ihre Seele. Bereits bei ihrer Fahrt aus der Stadt schwor sie sich, eines tages zurückzukommen und sich zu rächen. Alfred III machte aus einem lebensfrohen jungen Mädchen eine eiskalte Frau, die für jegliche neuen Gefühlsbindungen nicht mehr zugänglich ist. Die Zeit, als sie die Stadt verlassen musste und auf sich selbst gestellt war, hat sie binnen kürzester Zeit geprägt. Bereits bei der Geburt konnte sie keine Bindung zu ihrem eigenen Kind aufbauen, was sich darin zeigt, dass sie das Baby einerseits als “Ding" bezeichnet, andererseits sich an keine Details dazu erinnern kann (S.116). Der Fakt, dass dieses Kind sie unweigerlich an ihre verlorene Liebe, die sie schmerzlich verletzt hat, erinnert, wird sicherlich eine wichtige Rolle dabei spielen. In ihrem Inneren herrscht nur noch die Rachsucht, sodass ihr Vergeltung bereits lange im Voraus geplant wurde. Eine Frau, die sich so leidenschaftlich für Rechenschaft einsetzt, muss schwer verletzt worden sein. Ihre Liebe zu Alfred war so weitreichend, dass sie mit seinem Verrat nie abschließen konnte. So sagt sie auf Seite 117: "Ich liebte dich. Du hast mich verraten. Doch den Traum von Leben, von Liebe und von Vertrauen, diesen einst wirklichen Traum habe ich nicht vergessen. Ich will ihn wieder errichten mit meinen Milliarden, die Vergangenheit ändern, indem ich dich vernichte”. Ihr Vorhaben, Alfred töten zu lassen, dient lediglich dem Zweck, irgendwie den Mann wiederzubekommen, in den sie sich einst verliebt hat. Dass sie seine Trennung nie verkraften konnte, zeigt sich in vielen Ausschnitten. Beispielsweise hat sie Roby beigebracht, auf der Gitarre Alfreds Lieblingslied zu spielen. Diese Musik braucht sie in ihren besinnlichen Minuten, in denen sie wahrscheinlich an ihre Vergangenheit denken muss und sich unterbewusst nach seiner Nähe sehnt. Sie behauptet selbst, nichts vergessen haben zu können (S.49). Auch den Panther, den sie vom Pascha von Marrakesch geschenkt bekommen hat, ist ein Indiz für ihre nie vergangene Liebe. Schon als Kind war ihre Liebe zu Pflanzen und besonders zu Tieren so ausgeprägt, dass ihr Kosename “Panther” für Alfred keine Überraschung darstellt (S.26). Dass sie ein so außergewöhnliches Tier geschenkt bekommt, das auch noch den Namen wie ihre Jugendliebe besitzt, ist sicherlich kein Zufall. Sie wird dem Pascha gegenüber ihre Liebe zum Panther ausgedrückt haben, dabei aber unterschwellig Alfred gemeint haben. Des Weiteren ist sie Alfred nie wütend gegenübergetreten, sondern hat auch noch Äußerungen betätigt, froh zu sein, ihn zu sehen (S.113). Denn auch wenn er sie unbeschreiblich verletzt und verändert hat, so war ihre Liebe und der Traum einer gemeinsamen Zukunft größer als jede Feindseligkeit. Da sie ihn lebend aber nicht haben kann, beschließt sie in ihrer Verzweiflung, dass nur sein Tod beide wieder näher bringen kann. Bei dem Gespräch über seinen Verbleib nach dem Tod sagt sie, sie hätte im Park ihres Palazzos ein Mausoleum errichtet, damit er bei ihr bleiben kann (S.118). Als es dann soweit ist und Alfred III tot ist, sind ihre Worte auf Seite 131: "Er ist wieder so, wie er war, vor langer Zeit, der schwarze Panther.". Bei seinem Tod ging es um so viel mehr als Rache. In erster Linie war sie eine zutiefst verletzte Frau, die versuchte, die Vergangenheit zu ändern und zu ihrer ersten und wahren Liebe zurückzufinden. Abschließend lässt sich sagen, dass Claire Zachanassian in vielerlei Hinsicht ein sehr übertrieben dargestellten Charakter ist. Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine selbstständige Frau in der damaligen Zeit über solche Macht und finanziellen Mittel verfügen konnte. Besonders, wenn man in Betracht zieht, dass sie zeitweise als Prostituierte gearbeitet hat, aber dennoch von vielen mächtigen Menschen hoch angesehen wurde. Zudem ist es sehr fragwürdig, direkt jemanden den Tod zu wünschen, wenn man von dieser Person verletzt wurde - mochte sie einem einst noch so viel bedeutet haben. Ihre Beweggründe und Ansätze sind zwar Verständlich, aber letztendlich sehr überspitzt dargestellt. Dementsprechend wirkt sie nicht sehr authentisch. 1612 Wörter