Aufklärung: Wenn das Bürgertum erwacht
Stell dir vor, du lebst in einer Zeit, wo dein sozialer Stand darüber entscheidet, was du erreichen kannst – genau das änderte sich im 18. Jahrhundert radikal. Das Bürgertum wurde wohlhabender und selbstbewusster, während Fürsten weiterhin auf Kosten des Volkes in Luxus schwelgten.
Nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg war Deutschland in über 300 Kleinstaaten zersplittert. Diese Kleinstaaterei gab den Fürsten zwar mehr Macht, aber das Volk litt unter ihrer Verschwendungssucht. Das Gottesgnadentum des Adels wurde zunehmend angezweifelt.
"Sapere aude" – wage es zu wissen! Dieser Ausspruch von Kant fasst perfekt zusammen, worum es ging: Selbstbestimmung statt blindem Gehorsam. Die Menschen sollten ihren eigenen Verstand benutzen und sich aus der Unfreiheit durch Vernunft befreien.
Wichtig zu wissen: Die Aufklärung war eine gesamteuropäische Bewegung, die das Fundament für unsere heutige Demokratie legte!
Literatur wird zum Erziehungsinstrument
Die Literatur der Aufklärung hatte eine klare Mission: das Bürgertum bilden und erziehen. Schriftsteller griffen philosophische Ideen auf und machten sie für eine breite Öffentlichkeit verständlich – auch wenn damals nur Bürgerliche und Adlige lesen konnten.
Beliebte Textsorten waren Aphorismen, bürgerliche Romane, bürgerliche Trauerspiele, Fabeln und Lehrgedichte. Diese Formen eigneten sich perfekt, um komplexe Ideen einfach zu vermitteln.
Die Autoren wollten weg von idealen Helden hin zu realen Persönlichkeiten mit Stärken und Schwächen. Lessing überwand die Ständeklausel in seinen Dramen und zeigte: Der Mensch ist nicht durch seinen Stand definiert, sondern durch seine Vernunftbegabung.
Durch Katharsis – die Erregung von Furcht und Mitleid – sollte das Publikum sittlich geläutert werden. Der klare, sachliche Stil und die Kritik an Kirche, Staat und Gesellschaft prägten diese Epoche.