Die zentralen Themen der Tragödie
Die Einsamkeit des Individuums prägt das gesamte Stück von Anfang an. Schon im Prolog wird angekündigt, dass Antigone "allein gegen Créon aufstehen wird". Selbst ihre Schwester Ismène verweigert ihr die Hilfe beim Begräbnis ihres Bruders, obwohl sie sie liebt.
Antigone stößt alle von sich weg - sogar ihren Verlobten Hémon weist sie schroff ab mit den Worten "Geh sofort raus, ohne etwas zu sagen". Sie will bewusst nicht verstehen: "Ich will nicht verstehen. Ich bin für etwas anderes da als zum Verstehen." Diese selbstgewählte Isolation wird ihr jedoch kurz vor der Hinrichtung zur Last.
Auch König Créon ist einsam - der Prolog beschreibt ihn als "allein mit seinem kleinen Pagen, der zu klein ist und ihm auch nicht helfen kann". Er lehrt sogar seinem Sohn Hémon diese Philosophie: "Man ist ganz allein, Hémon. Die Welt ist nackt."
Merke dir: Die Einsamkeit ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung beider Hauptfiguren, um ihre Prinzipien durchzusetzen.
Das zweite große Thema ist Antigones Sehnsucht nach dem Absoluten und der Kindheit. Sie lehnt jeden Kompromiss ab und verachtet die Erwachsenenwelt: "Ihr ekelt mich alle an mit eurem Glück." Stattdessen möchte sie die Reinheit der Kindheit bewahren oder sterben.



