Theorien der Kulturbegegnung
Kulturbegegnungen verlaufen nicht einheitlich, sondern folgen bestimmten Mustern. Der Schweizer Historiker Urs Bitterli (geb. 1935) beschreibt verschiedene Formen der Kulturbegegnung am Beispiel der europäischen Expansion:
Die Kulturberührung bezeichnet ein friedliches erstes Zusammentreffen zweier Kulturen. Diese Phase ist kurzzeitig und von Neugierde, aber auch Misstrauen geprägt. Im Gegensatz dazu steht der Kulturkontakt, der ein dauerhaftes Verhältnis mit wechselseitigen Beziehungen beschreibt, meist basierend auf Handel und bei machtpolitischem Gleichgewicht.
Wird eine Kultur zur Bedrohung für die andere, spricht Bitterli vom Kulturzusammenstoß. Dieser hat aggressiven Charakter und führt oft zur Unterdrückung der schwächeren Kultur. Besonders interessant sind die Prozesse der Akkulturation (wechselseitige kulturelle Anpassung) und der Kulturverflechtung (intensive gesellschaftliche Durchdringung).
Gut zu wissen: Bitterlis Modell eignet sich hervorragend, um die Entwicklung des chinesisch-europäischen Verhältnisses zu analysieren. Die Stufen müssen jedoch nicht chronologisch ablaufen!











