Weg in den Ersten Weltkrieg
Bismarcks Bündnissystem sollte ursprünglich das europäische Gleichgewicht stabilisieren und Frankreich isolieren. Nach 1871 störte das neue Deutsche Kaiserreich mit seiner Wirtschafts- und Militärmacht die Balance zwischen den europäischen Großmächten.
Bismarck schmiedete verschiedene Bündnisse: das Dreikaiserabkommen mit Österreich-Ungarn und Russland, den Zweibund und später Dreibund mit Italien. Der geheime Rückversicherungsvertrag mit Russland sollte einen gefürchteten Zweifrontenkrieg verhindern.
Nach Bismarcks Abdankung 1889 änderte sich die deutsche Außenpolitik dramatisch. Kaiser Wilhelm II. konzentrierte sich auf Kolonialpolitik und den Flottenausbau, was England beunruhigte. Deutschland isolierte sich zunehmend selbst, während sich um 1900 ein Bündnis zwischen Russland, England und Frankreich formierte.
Die Marokkokrisen 1905/06und1911 verschärften die Lage weiter. Deutschland fühlte sich "eingekreist" und sah Krieg als unvermeidliche Lösung. Ab 1905 rüsteten alle Mächte massiv auf - das Ziel war nicht mehr Frieden zu bewahren, sondern einen möglichen Krieg zu gewinnen.
Wichtig: Bismarck wollte nicht den Frieden sichern, sondern Krieg verhindern - weil Deutschland ihn verlieren würde!
Auf dem Balkan entstanden weitere Spannungen. Österreich-Ungarn annektierte Bosnien-Herzegowina, was Serbien verärgerte, das alle Slawen in einem Großreich vereinen wollte. Russland unterstützte Serbien, um Österreich-Ungarn zu schwächen und eigene Interessen durchzusetzen.
Das Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914 wurde zum Auslöser: Der serbische Nationalist Gavrilo Princip erschoss den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau. Dies bot Österreich-Ungarn den Vorwand, gegen Serbien vorzugehen.
Die Julikrise eskalierte schnell: Deutschland gab Österreich-Ungarn den berüchtigten "Blankoscheck" für militärisches Vorgehen. Innerhalb weniger Wochen erklärten sich die Großmächte gegenseitig den Krieg - der Erste Weltkrieg hatte begonnen.