Die Verfassung von 1870/71: Fortschritt oder Rückschritt?
Die deutsche Reichsverfassung war ein Kompromiss zwischen Tradition und Moderne. Kaiser Wilhelm I. bekam enorme Macht: Er konnte Reichstag und Bundesrat auflösen, den Kanzler ernennen und hatte den Oberbefehl über das Militär.
Das Dreiklassenwahlrecht ließ nur Männer ab 25 mit Besitz wählen - Frauen blieben komplett ausgeschlossen. Immerhin gab es einen gewählten Reichstag, aber echte Demokratie sah anders aus.
Preußens Hegemonie zeigte sich überall: Im Bundesrat hatten die Preußen die meisten Stimmen, der Kaiser war Preuße, der Kanzler sowieso. Die anderen deutschen Staaten wurden praktisch "preußisch verwaltet".
Im Vergleich zur Paulskirchenverfassung von 1848/49 fehlten die Grundrechte völlig. Das war ein echter Rückschritt für die Bürgerfreiheiten.
Bewertung: Die Verfassung erfüllte den Einheitswunsch, schuf aber einen autoritären Staat mit militaristischen Zügen - genau das, was die österreichische Karikatur vorhersagte!