Fugen und ihre Struktur
Stell dir eine Fuge wie ein musikalisches Gespräch vor, bei dem sich mehrere Stimmen ein Thema "zuwerfen". Bei einer dreistimmigen Fuge haben wir Sopran, Alt und Bass - bei einer vierstimmigen kommt noch der Tenor dazu.
Das Dux ist die erste Stimme, die das Thema vorstellt - sozusagen der "Anführer". Die Comes (Beantwortung) übernimmt das Thema danach, entweder unverändert (reale Beantwortung) oder mit leichten Anpassungen (tonale Beantwortung).
Die Exposition ist der erste Durchlauf, wo alle Stimmen nacheinander das Thema spielen. Danach folgen weitere Durchführungen, in denen das Thema immer wieder auftaucht. Der Kontrapunkt ist die Gegenstimme zum Thema - wenn eine Stimme das Hauptthema spielt, machen die anderen den Kontrapunkt. Zwischenspiele lockern das Ganze auf und verbinden die verschiedenen Durchführungen.
Merktipp: Eine Fuge funktioniert wie ein Staffellauf - das Thema wird von Stimme zu Stimme weitergegeben!
Motivverarbeitung - So wird aus wenig viel
Ein Motiv ist die kleinste musikalische Einheit mit mindestens zwei Tönen. Komponisten wie Bach waren Meister darin, aus einfachen Motiven ganze Kunstwerke zu schaffen.
Die wichtigsten Techniken sind: Wiederholung (klar, oder?), Transposition (das Motiv wird höher oder tiefer gespielt) und Sequenz (mehrfache Wiederholung auf verschiedenen Tonstufen). Bei der Augmentation werden die Notenwerte verdoppelt, bei der Diminution halbiert.
Richtig clever wird's bei Umkehrung (das Motiv wird gespiegelt), Krebs (rückwärts gespielt) und Abspaltung (nur Teile des Motivs werden verwendet). Mit Variation kann rhythmisch oder melodisch verändert werden.
Praxistipp: Achte bei Notenanalysen immer auf Vorzeichen und Pausen - sie sind entscheidend für die richtige Erkennung der Techniken!
Der Barock - Pracht und Vergänglichkeit
Von 1600 bis 1750 war Barock angesagt - ursprünglich ein Schimpfwort für "schief" und "uneben". Die Musik war hauptsächlich Festmusik zur Repräsentation des Adels, prunkvoll und pompös wie Händels Feuerwerksmusik.
Der 30-jährige Krieg und die Pest prägten das Lebensgefühl: Vergänglichkeit war allgegenwärtig. Die Menschen lebten zwischen den Extremen memento mori (bedenke, dass du sterben musst) und carpe diem (nutze den Tag).
Diese Gegensätze spiegelten sich in der Kunst wider - eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Adel und dem Rest. Der Glaube an himmlische Seeligkeit half den Menschen, das irdische Leid zu ertragen.
Geschichtstipp: Die Barockmusik war Luxus für die Oberschicht - normale Leute hörten sie nur bei öffentlichen Festlichkeiten!