Grundlagen der Rauchfleisch-Theorie
Rauchfleisch erklärt Gewalt hauptsächlich aus der frühkindlichen Persönlichkeitsentwicklung heraus. Nach seiner Auffassung entstehen gewalttätige Verhaltensweisen durch Traumatisierungen und Mangelerfahrungen in der Kindheit, die das ICH beschädigen und zu komplizierten Persönlichkeitsstörungen führen.
Die sozialen Rahmenbedingungen spielen dabei eine entscheidende Rolle: Ökonomische Probleme, familiäre Spannungen und "Broken-home Situationen" schaffen instabile Verhältnisse, die die Entwicklung beeinträchtigen. Diese frühen Belastungen führen zu einem aggressiv besetzten Selbstbild und Beziehungen mit starken aggressiven Komponenten.
Rauchfleisch fasst seine Erkenntnisse in vier Thesen zusammen: Erstens entstehen gewalttätige Tendenzen durch frühkindliche Traumata und fehlende Bindungssicherheit. Zweitens werden Betroffene oft sozial stigmatisiert, was Rückfälle begünstigt. Drittens sind die erlebten Traumata so tiefgreifend, dass sie die psychische Existenz bedrohen. Viertens entsteht ein Teufelskreis, aus dem ohne stabile soziale Beziehungen kaum ein Ausweg möglich ist.
Aha-Moment: Gewalttäter waren oft selbst Opfer! Die gewalttätigen Handlungen im Erwachsenenalter können als verzweifelter Versuch verstanden werden, mit den frühen Verletzungen umzugehen - ein fehlgeleiteter Selbstheilungsversuch.
Die ES-Störung führt zu einem unstillbaren Verlangen nach Anerkennung und Bestätigung. Betroffene entwickeln manipulative Tendenzen und heftige Neidimpulse. Sie befinden sich in einem Sehnsucht-Angst-Dilemma: Sie sehnen sich nach Nähe, haben aber gleichzeitig Angst vor Zurückweisung und zerstören dadurch oft genau das, was sie am meisten brauchen.




