Stochastik ist euer Werkzeugkasten für alles, was mit Wahrscheinlichkeiten und...
Mathe ABI Zusammenfassung: Stochastik für GK in Hessen








Grundlagen der Statistik
Statistische Erhebungen helfen euch dabei, große Datenmengen zu verstehen und auszuwerten. Dabei arbeitet ihr mit Grundgesamtheiten von Merkmalsträgern, die verschiedene Eigenschaften haben können.
Quantitative Merkmale sind Zahlen oder Größenwerte - entweder stetig (mit Dezimalstellen wie Körpergröße) oder diskret (ganze Zahlen wie Anzahl Geschwister). Qualitative Merkmale hingegen sind Eigenschaften oder Namen, die entweder nominal (keine Rangfolge wie Eissorte) oder ordinal (mit natürlicher Reihenfolge wie Schulnoten) sein können.
Das arithmetische Mittel ist euer Durchschnittswert - berechnet als Summe aller Werte geteilt durch ihre Anzahl. Die Varianz und Standardabweichung zeigen euch, wie stark die Werte um den Mittelwert streuen - je größer diese Werte, desto uneinheitlicher sind eure Daten.
Merktipp: Relative Häufigkeit = absolute Häufigkeit ÷ Gesamtzahl. So könnt ihr verschiedene Datensätze miteinander vergleichen!

Zufallsexperimente und Ereignisse
Ein Zufallsexperiment ist jedes Experiment, dessen Ausgang ungewiss ist - wie Würfeln oder Münzwerfen. Der Ergebnisraum Ω enthält alle möglichen Einzelergebnisse, während ein Ereignis E eine Teilmenge davon ist.
Wichtige Ereignistypen: Unmögliche Ereignisse sind die leere Menge (∅), sichere Ereignisse enthalten alle Möglichkeiten, und Elementarereignisse bestehen nur aus einem einzigen Ergebnis. Das Gegenereignis tritt ein, wenn E nicht eintritt.
Das empirische Gesetz der großen Zahlen besagt, dass sich relative Häufigkeiten bei vielen Wiederholungen um einen festen Wert stabilisieren - das ist die Wahrscheinlichkeit. Ein Spiel ist fair, wenn der Erwartungswert dem Einsatz entspricht.
Praxistipp: "Mindestens 3" bedeutet {3,4,5,6}, "höchstens 3" bedeutet {1,2,3} - achtet auf solche Formulierungen in Aufgaben!

Wahrscheinlichkeitsrechnung
Wahrscheinlichkeiten sind Zahlen zwischen 0 und 1, die angeben, wie wahrscheinlich ein Ereignis ist. Bei Laplace-Experimenten sind alle Einzelergebnisse gleich wahrscheinlich, sodass ihr die einfache Formel verwenden könnt.
Baumdiagramme helfen euch bei mehrstufigen Zufallsexperimenten. Die Pfadregel besagt: Wahrscheinlichkeit eines Pfades = Produkt der Zweigwahrscheinlichkeiten. Die Summenregel: Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses = Summe aller zugehörigen Pfadwahrscheinlichkeiten.
Bedingte Wahrscheinlichkeiten geben an, wie wahrscheinlich A ist, wenn B bereits eingetreten ist. Ereignisse sind unabhängig, wenn gilt - das Eintreten von B ändert nichts an der Wahrscheinlichkeit von A.
Rechentrick: Bei "mindestens einmal" rechnet oft einfacher mit der Gegenwahrscheinlichkeit:

Kombinatorik und Vierfeldertafeln
Die Kombinatorik hilft euch, komplexe Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, ohne alle Möglichkeiten einzeln durchzugehen. Die Produktregel besagt: Bei k unabhängigen Teilexperimenten mit Möglichkeiten gibt es insgesamt Ergebnisse.
Beim Urnenmodell unterscheidet ihr zwischen "mit/ohne Zurücklegen" und "mit/ohne Reihenfolge". Permutationen zählen geordnete Auswahlen, Kombinationen ungeordnete Auswahlen ohne Wiederholung.
Vierfeldertafeln stellen zwei Merkmale mit je zwei Ausprägungen übersichtlich dar. In die Randfelder tragt ihr die Summen ein, die inneren Felder entsprechen den Schnittmengen. So könnt ihr bedingte Wahrscheinlichkeiten leicht ablesen.
Lotto-Formel: "6 aus 49" bedeutet verschiedene Tippmöglichkeiten - deshalb ist die Gewinnchance so gering!

Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen
Eine Zufallsgröße X ordnet jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine reelle Zahl zu - sie ist also eine Funktion, nicht eine Zahl! Die Wahrscheinlichkeitsfunktion zeigt, welche Wahrscheinlichkeit jedem Wert zugeordnet wird.
Der Erwartungswert ist der theoretische Mittelwert bei unendlich vielen Wiederholungen. Berechnet wird er als - also als gewichteter Durchschnitt aller möglichen Werte.
Varianz und Standardabweichung messen die Streuung um den Erwartungswert. Je größer diese Werte, desto unvorhersagbarer ist eure Zufallsgröße. Die Standardabweichung hat den Vorteil, dass sie die gleiche Einheit wie die ursprünglichen Werte hat.
Wichtig: Der Erwartungswert muss nicht immer ein möglicher Wert der Zufallsgröße sein - er ist der langfristige Durchschnitt!

Binomialverteilung
Bernoulli-Experimente haben nur zwei mögliche Ausgänge: Erfolg (mit Wahrscheinlichkeit p) oder Misserfolg (mit Wahrscheinlichkeit q = 1-p). Bernoulli-Ketten sind n-malige Wiederholungen mit konstanter Erfolgswahrscheinlichkeit.
Die Binomialverteilung gibt die Wahrscheinlichkeit für genau k Erfolge bei n Versuchen an: . Der Binomialkoeffizient zählt die Anzahl möglicher Pfade, ist die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Pfades.
Erwartungswert: , Varianz: , Standardabweichung: . Das Histogramm ist bei p = 0,5 symmetrisch, bei p < 0,5 linkslastig und bei p > 0,5 rechtslastig.
Faustregel: Je größer n wird, desto flacher und symmetrischer wird die Verteilung - das ist wichtig für spätere Näherungen!

Intervallwahrscheinlichkeiten
Punktwahrscheinlichkeiten geben die Wahrscheinlichkeit für genau k Treffer an. Intervallwahrscheinlichkeiten berechnen dagegen Bereiche wie "höchstens k" oder "mindestens k" Treffer.
Die kumulierte Binomialverteilung summiert alle Wahrscheinlichkeiten von 0 bis k auf. Damit könnt ihr schnell berechnen: und .
Bei Aufgaben wie "mindestens n Versuche für 95% Erfolgswahrscheinlichkeit" arbeitet ihr mit Ungleichungen. Stellt die Bedingung auf, formt um und löst nach n auf - achtet dabei auf Rundungsregeln!
Taschenrechner-Tipp: Nutzt die Kumul-Binom-V Funktion eures Taschenrechners - das spart Zeit und verhindert Rechenfehler bei komplexen Summen!
Wir dachten schon, du fragst nie...
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Wichtig: Der Erwartungswert muss nicht immer ein möglicher Wert der Zufallsgröße sein - er ist der langfristige Durchschnitt!

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